Buch Dresden 1951 – 2006

15. Elbhangfest

Das Motto stimmte – Elbtal und Schillers Erbe geistvoll verknüpft

Das Elbhangfest und das Unesco-Symbol: Mit der Verleihung des Welterbe-Titels wurde auch das 15-jährige Bemühen des Elbhangfest e. V. um die kulturelle und denkmalpflegerische Ausgestaltung gewürdigt. Leuchtzeichen begrüßten „die Welt“ am Hang – und der „betrunkene Sachse“ Olaf Böhme gab seinen Senf dazu. Foto: Holger Friebel

Das Elbhangfest und das Unesco-Symbol: Mit der Verleihung des Welterbe-Titels wurde auch das 15-jährige Bemühen des Elbhangfest e. V. um die kulturelle und denkmalpflegerische Ausgestaltung gewürdigt. Leuchtzeichen begrüßten „die Welt“ am Hang – und der „betrunkene Sachse“ Olaf Böhme gab seinen Senf dazu.
Foto: Holger Friebel

Wer den „ganzen Schiller“ zum Elbhangfest wollte, wurde bereits am Vorabend im Open-Air-Gartenkino „Rosenhof“ an der Schevenstraße mit Horst Schulzes Interpretation der „Teilung der Erde“ – faszinierend von Siegfried Beinlich im Hochland-Hoftheater „verfilmt“ – und mit Werner Kohlerts exzellentem Schillerfilm „Ein wunderlicher großer Mensch“ bestens bedient. Aber das war nur einer von vielen (kulturellen) Höhepunkten.

„Erben gesucht“ steht auf dem neuesten Welterbe-City-Light-Plakat der Stadt. Diese Erben standen zur Festeröffnung zu Hunderten vor der Loschwitzer Kirche. Das dürfte nicht nur Monsieur Francesco Bandarin aus Paris (UNESCO), sondern auch den Ministerpräsidenten und den Oberbürgermeister beeindruckt haben; die letzteren wohnten beide erstmalig und offiziell einer solchen Eröffnung (und Erbenversammlung) bei.

Ingolf Roßberg ergriff sogar das Wort (wenn auch nicht in Reimen wie weiland sein Vorgänger) und reichte die UNESCO-Urkunde an Reinhard Decker weiter, der aber leider (noch) nicht im Dresdner Welterbe-Kuratorium sitzen darf. Damit es nicht zu feierlich wurde, drängte sich zwischenzeitlich der selbsternannte sächselnde „Stadtsprecher“ Olaf Böhme beherzt ans Mikrofon und schlug unter anderem vor, innerhalb des „Welterbes“ den Schillerplatz aufzuwerten und dort Schillerverse aufs Pflaster zu malen oder wenigstens einige „Räuber“ im Verkehrsgewimmel zu verstecken. Was unseren Schirmherrn Erich Iltgen nicht abgehalten hat, sein Wahlkreisbüro jetzt ebenfalls nach Blasewitz in Elbnähe zu verlegen.

Hier kann er mit seinem neuen Schirmherrn-Kollegen Dr. Peter Lenk ausdiskutieren, wie schnell das vielzitierte Welterbe-Büro nun doch im Lingnerschloss einziehen darf. Wir waren also richtig „unter uns“, aber der anschließende Festumzug, von den Anwohnern der Festmeile bis hin nach Pillnitz freundlichst empfangen, sprengte wieder alle Grenzen, auch geografisch – ein mitfahrender Apfelzüchter rief poetisch-selbstbewusst aus „Nehmt hin die Sorten, die alten, die wir in Pillnitz gestalten!“.

Vom „Altertum“ war am Sonntag auch im Loschwitzer Festgottesdienst die Rede, der der Kirchen-Grundsteinlegung vor 300 Jahren am 29. Juni 1705 gewidmet war. Die Bläser des Elbhang-Posaunenchores musizierten so gewaltig und festlich, als ob die Kirchenfundamente nochmals freigelegt werden sollten. Da hatte es Pfarrer Selunka leicht, „vom Glauben, der auch am Elbhang zur Kultur wurde“, zu predigen. Die neue Welterbe-Gedenktafel am Kirchenaufgang gab ihm recht.

Am späten Abend haben wir dann das Fest-Armbändchen aufgeknüpft und es wehmütig dem Restmüll oder dem Grünen Punkt (was ist eigentlich richtig?) anvertraut. Ganz Schlaue benutzen es weiter – als Buchzeichen für Schillers Gesammelte Werke, die auch voller kulinarischer Anregungen stecken: an einem Crépes-Stand in Wachwitz gab es eine „scharfe Ausgabe“ mit dem Titel „Kabale und Zwiebel“ …

Dietrich Buschbeck

Verwandlung eines Parks

In diesem Jahr verwandelte sich  die kleine Oase am Rande des Loschwitzer Marktes in „Schillers Garten“. Ganz in diesem Sinne gab sich der „Elbhang-Schiller“ die Ehre und lud zum Vortrage seiner Werke ein – nicht immer ganz ernst gemeint, wie die köstlichen Paro­dien am Sonntag zeigten. Den „Vormittag Gottfried Körners“ – einer der wenigen Schwänke von Schiller – brachte die Theatergruppe des Martin-Andersen-Nexö-Gymnasiums brillant auf die Bühne.
Zeitgenössische Klänge kamen  von Ulrike Hausmann (Keramik am Körnerplatz!) mit virtuos dargebotenem Boogie-Woogie, Folk­songs & Oldies mit Mr. Campfire oder Klezmermusik mit der Gruppe SpielArt. Die Liegestühle im Park waren stets „ausgebucht“.

C. M.

Ritscher-Erinnerung

Überraschend und nicht im Programm erwähnt, begeisterte die Puppenbühne „Fundus“ am Sonn­tag­-Nachmittag im Garten der Pillnitzer Landstraße 126 Jung und Alt, und erinnerte so an den im Frühjahr verstorbenen Puppenspieler Roland Ritscher. Als besondere Ehre für den Gastgeber konnte Gottfried Geyer bei einer Darbietung die Marionette mit führen.

Jürgen Frohse

„Hau den Lukas“

Die ganz Kleinen bekamen nicht einmal den Hammer hoch und die schon etwas größeren Kinder muss­ten sich oft mit einer „Rotznase“ begnügen. „Hau den Lukas“ war aber auch für die Erwachsenen eine große Freude. Während die Kinder auf dem historischen Karussell ihre Runden drehten oder an der Hutwurfbude (oben) ihr Glück versuchten, mühten sich die „Alten“, sich nicht zu blamieren. Wenn bei kräftigen Männern nicht die Glocke erklang, konnte schon heftig gelästert werden.
Eliszi’s Jahrmarktstheater auf der Wachwitzer Elbwiese, wo in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts schon der Rummel gastierte, war ein neuer Farbtupfer im Fest. Vielen bereitete es auch in sengender Hitze großen Spaß.

 Jürgen Frohse

Kulturinsel-Fieber?

Die Meldung vom ersten Baumhaushotel Deutschlands auf der Kulturinsel Einsiedel ging durch die Presse – beim Elbhangfest hatte der Kulturinsel Einsiedel e.V. (in Zentendorf bei Görlitz beheimatet) erst einmal mit seinem Messeschiff auf der Hosterwitzer Maillebahn geankert. Über Öffnungen, Luken, Treppen, Leitern kann das herrliche Spiel-Schiff durchklettert, bestiegen, durchrutscht … werden. Die Kinder waren begeistert und eroberten die Barke. Im „Irrgärtner Boten“ (dem Zentralorgan der Kulturinsel) wird darauf hingewiesen, dass überall wo das Schiff auftaucht, das Kulturinsel-Fieber nicht weit ist. Ob sich die spielenden und kletternden Kinder schon angesteckt haben?

 Dieter Fischer

Impressionen

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