Buch Dresden 1951 – 2006

Zum 16. Festumzug am Sonnabend, 24. Juni, ab 11 Uhr

Vorhang auf zum „Rumopern“ – ein „Umzugstheater“

Was könnte tausenden von Zuschauern gefallen, wenn unser Theaterspektakel über die Pillnitzer Landstraße, die Dresdner Straße bis hin zum Weindorf Pillnitz zieht? Wer könnte und sollte mitspielen? Die Ideen häufen sich. Der Mach­barkeit sind oft finanzielle Grenzen gesetzt. Dennoch stehen 48 Umzugsbilder im Programmheft dank des ehrenamtlichen Ein­sat­zes der Organisatoren und ­so vieler Mitwirkender. Rund 700 kom­men ­zusammen. Über jedes Bild könnte eine Geschichte erzählt werden, stets verbunden ­mit ­einem besonders herzlichen Danke­schön vom Elbhangfestverein an die Gestalter. Jedoch kann ich nur auf einige Beispiele hinweisen …

Plakatidee: Holger Friebel

Plakatidee: Holger Friebel

Witz und Humor …

stecken im sächsischen Wort „rum­opern“, das in keinem Wörterbuch zu finden ist. Aber auch an die Oper, die Musik, die Lust am Schwank denken wir dabei. Deshalb treten in unserem ersten Theaterakt beliebte Dresdner Humoris­ten in elf verschiedenen Szenen auf. Kommunikationsfreudig mit dem Publikum werben sie gleichzeitig für ihre weiteren Auftritte zum Elbhangfest. Nummerngirls in Phantasiekleidern kündigen das Zwingertrio, das Dresdner Kabarett Breschke & Schuch mit einigen Salondamen an, weisen auf die Theatergruppe „Spielbrett“, auf Olaf Schubert und seine Freunde hin, machen die Zuschauer auf „Ritter Blaubart“ im Sommertheater aufmerksam und leiten den Auftritt Ralf Herzogs mit den „Fußballmimen zur WM“ ein. Mit dem „Universal-Druckluft-Or­ches­ter“ liegt auch Musik in der Luft.

Das Kabarett „Duale Satire Deutsch­land“ setzt mit seinen Musiktexten immer wieder den  Punkt auf das „i“: Olaf Böhme will sogar einigen Zuschauern  ein Mitfahren auf dem Kremser ermöglichen. Wir freuen uns auf die Dresdner Humorprominenz.

„Unser Mozart“

Das Festmotto regt im zweiten Akt an,  uns von Komponis­ten inspirieren zu lassen, die mit Dresden verbunden sind. Im Mozartjahr 2006 darf die ­Darstellung von Mozarts Dresden­aufenthalt nicht fehlen. Im Hause Gottfried Körners werden die liebevoll gekochten Speisen schon kalt, weil Amadé gedankenversunken seine Werke darbietet. Der Komponist Johann Gottlieb Naumann und der Maler Anton Graff lauschen andächtig. Etwas nachhaltig Wesentliches geschieht: Die Malerin Dorothea Stock, Minna Körners Schwester, zieht den Silberstift und porträtiert Mozart. Es ist die einzige Darstellung Mozarts, die zu seinen Lebzeiten entstand. Dieses knapp 76 mal 62 Millimeter große Oval ging unlängst für 200 000 englische Pfund in Mozarts Heimatstadt Salzburg.

Wir danken der Familie Wunderlich vom Wachwitzgrund sehr herz­lich, dass sie sich bis ins Detail mit der Darstellung dieses Dresdner Mozartbesuches beschäftigt und die Szene auf einem von Pferden gezogenen Wagen darstellt. Marcus Rimmele, ein Mozartverehrer, übt sich schon fleißig auf seine Rolle als Mozart ein. Wolfgang Amadeus Mozart inspirierte viele Gestalter des Festum­zu­ges. Die 62. Grundschule in Loschwitz wird Aus­­züge aus ihrem Musikprojekt „Zauberflöte“ zeigen. „Zaubermozart – Mozartzauber“ titeln die Schüler der 62. Mittelschule ihre Interpretation von Moral, Mut, Vertrauen, Liebe und Tugend.

„Mozartig und frech“ rumzuopern kam den Tänzerinnen der Jugend&Kunstschule Dresden in den Sinn. Dresdens Mozartdenkmal an der Bürgerwiese wird mit seinen drei goldenen Elfen dank Brigitte Neuberts und Annett Lohrs Vorarbeit lebendig. Frau Neubert leitet die Theaterwerkstatt und unterstützt unseren Umzug mit einzigartigen Kostümen, die unsere schönen Num­merngirls von der Jugend&Kunstschule und von der Tanzschule Lax begeistert vorführen werden.

Probe für den Festumzug: Phantasievolle „Nummerngirls“ kündigen die Elbhangfest-Umzugsbilder an. Fotos: Holger Friebel, Jürgen Frohse

Probe für den Festumzug: Phantasievolle „Nummerngirls“ kündigen die Elbhangfest-Umzugsbilder an.
Fotos: Holger Friebel, Jürgen Frohse

Von Weber und Wagner inspiriert

Studenten der Dresdner Musikhochschule „Carl Maria von Weber“ wollen unsere Zuschauer auch mit Liedern Webers erfreuen. Sie „webern mozärtlich“. Darauf ­hat sie Kammersängerin Barbara Hoene vorbereitet. Unser ehemaliger ­Orts­amtsleiter, Peter Rauch, sorgt sich um den Festwagen, die Firma ­Piano-Gäbler spendet das Instrument. Unzählige Gespräche, Wege und Arbeitsstunden stecken hinter dieser Vorbereitung.

Peter Rauch hatte eine „IdeenRunde“ ins Leben gerufen, mit der er den Festumzug und einige künstlerische Auftritte unterstützt, dafür unseren besonderen Dank. Jeder in dieser Runde hat sich engagiert. Frau Hoene sprach Sänger an, die am Elbhang wohnen, eine gemeinsame Vorstellung zu geben. Ihr ist es zu ­verdanken, dass elf bekannte Künstler(innen) kostenlos ihre Verbundenheit mit dem Elbhangfest zeigen. Christian-Peter Mallwitz und Froh­­mut Sandmann, schon „Umzugserfahren“, gedenken Richard Wagners Elbhangaufenthalt. Wagners „Fliegender Holländer“ wird zum „Fliegenden Elbländer“, der mit einem Schiff einsegelt. Die Vorbereitung dazu erfordert eine umfangreiche inhaltliche Beschäftigung, handwerkliches Geschick und Koordination, z. B. mit einem Chor der „Grasmücken“ unter der Leitung von Rainer Ehlich.

Im witzigen Bänkelsängerstil mit einigen „Dräsdnr“ Texten führt Dr. Gerd Straumer durch die Oper, begleitet von Rudolf Dresslers Bandoneonspiel. Die Kunsthistorikerin Dr. Heidrun Wozel verewigt diese Szene als Stadtschreiberin. In der Ideen-Runde hat uns auch Kammervirtuos Dieter Kießling aktiv geholfen.

„Unser Schwan ziehet dahin“

Wagners Oper „Lohengrin“ entstand in Graupa am Elbhang. Das regte uns an, einen Schwan zu­nächst auf der Umzugsstrecke und danach auf dem Elbfluss dahinziehen zu lassen. Der Saxophonist Hartmut Dorschner lässt den Schwan „erklingen“, und eine Freundesrunde illustriert mit dem Brautzug eine Lohengringeschichte. Solch ein Umzugsbild kommt nicht von allein „dahergeschwommen“. Der Wachwitzer Künstler Uwe Hempel hat sich ­(kostenlos) bereit erklärt, einen Schwan auf ­einem Boot, das der Wachwitzer ­Segelklub spendiert, zu gestalten. ­Jaqueline Hamann wird das Umzugsbild in Szene setzen. Allen Beteiligten gilt ein herzlicher Dank vom Verein.

Tanz der „Edelsteine“ – Tänzerinnen der Jugend&KunstSchule lassen das Dresdner Mozartdenkmal lebendig werden. Foto: Holger Friebel

Tanz der „Edelsteine“ – Tänzerinnen der Jugend&KunstSchule lassen das Dresdner Mozartdenkmal lebendig werden.
Foto: Holger Friebel

Faustina – die teuerste Sängerin Sachsens

Eine Primadonna kostet! August der Starke und sein Sohn wollten die Dresdner Hofoper im italie­nischen Stil zur Blüte bringen. ­Als 1731 der Komponist Johann Adolph Hasse seine Frau, die berühmte Mezzosopranistin Faus­tina Bordoni, August dem Starken vorstellte, war dieser von der italienischen Schönheit und der glänzenden Stimme überaus begeistert.

Von 1734 bis 1763 bestimmte Faus­tina die musikalischen Festlichkeiten am Hofe. Welch ein Vorteil; der Ehemann komponierte für die Eigenheiten ihrer Stimmlage. Im Festumzug stellen wir auf dem von der Floristin Simone Lachmund ausgestalteten Wagen die Szene nach, wo Faustina, gesungen von der Italienerin Noemi La Terra, vor August dem Starken brilliert. Die Rolle des Kurfürsten ist Steffen Urban vom „Hoftheater“ auf der Königstraße sozusagen auf den Leib geschrieben. Dass August nach der Legende ein Auge auf die schöne Faustina geworfen hat, lässt den Lautenspieler Stefan Jänicke als Ehepartner Hasse natür­lich nicht kalt.

Rosen von „unserem“ Rosenkavalier

Beim Theaterspektakel im dritten Akt muss unbedingt eine Oper von Richard Strauß ins Blickfeld rücken, denn allein neun seiner Opern hatten in Dresden ihre Uraufführung, so auch 1911 der „Rosenkavalier“. Unser Rosenkavalier lässt von seinen Begleitern 1000 Rosen ans Publikum überreichen, spendiert von der Kreischaer Gärtnerei Görsch. Unser Oktavian (Anke Kirsten) ist mit seiner Sophie (Kathrin Dönitz) bereits in der Hochzeitskutsche: „Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein“.

Paul Lincke kurt mit seiner „Frau Luna“

Tatsächlich kurte er am Elbhang im Dr.-Weidner-Sanatorium, in dem sich heute die Humain-Klinik befindet. Eine stattliche Anzahl von Mitarbeitern wirkt seit Jahren zu unterschiedlichen Inhalten beim Festumzug mit. Diesmal beschäftigen sie sich mit Frau Luna. Wir danken dem Verwaltungsleiter Carsten Tietze und seinen Mitstreitern für die umfangreiche Arbeit. Elisabeth Letocha, als Königskerze beim 11. Elbhangfest noch gut in Erinnerung, begleitet diese „Theaterleute“ als Operettendiva, an ihrer Seite Holger Miersch mit dem Keyboard.

Sie froren, um das Elbhangfest schon im Vorfeld zu grüßen – die Tänzerinnen des TSV Graupa. Andree Wähner, der mit seiner Familie den Vorhang herstellte, hatte mit Wind und Kälte nicht gerechnet – so half nur sein wärmender Arm. Foto: Jürgen Frohse

Sie froren, um das Elbhangfest schon im Vorfeld zu grüßen – die Tänzerinnen des TSV Graupa. Andree Wähner, der mit seiner Familie den Vorhang herstellte, hatte mit Wind und Kälte nicht gerechnet – so half nur sein wärmender Arm.
Foto: Jürgen Frohse

Fußball-Epilog für Fans und Kicker

Sie dürfen im Festumzug – zeitgleich mit dem Achtelfinale der Fußballweltmeisterschaft – keinesfalls fehlen. In unserem Fußballepilog ziehen die „künftigen Weltmeister“ von der 61. Grundschule vom Leder, kicken die B-Junioren des 1. FC Dynamo Dresden, radeln die Fahr­rad-Veteranenfreunde zur WM, küren die Fans (vom Gymnastik SV Dresdner Elbhang e. V.) ihren König Fußball, zeigt uns Green­peace Dresden sein „Fairplay“. Auch die Mimen mit ihrem Meister Ralf Herzog bringen uns in Stimmung.

Elf „Topgirlies“ vom TSV Graupa bilden unser Fußballteam zum Plakatbild im Epilog unseres Spektakels. Sie spielen bis zum „Abpfiff“. An ihren lustigen Narrenkappen hängen die Pfeifen. Wir hoffen, dass unsere Zuschauer diese TopMädchenmannschaft anfeuern werden. Der Theatervorhang, der das Plakatbild umrandet, rollt tatsächlich von Loschwitz bis Pillnitz mit. Andree Wähner, Elbhangfestfan und Hobbybastler, hat ihn gebaut, seine Frau Angelika den Vorhang genäht. Wir danken beiden sehr herzlich für ihre schon jahrelange Einsatzfreude für unser Fest.

Unser besonderes Danke­schön

Wenn Sie, liebe Leser, mit Hilfe des Programmheftes die 48 Bilder des Festum­zuges verfolgen, merken Sie, dass dieser Artikel nicht ausreicht, um alle, die sich engagiert vorbereiten, zu würdigen. Aber allen gehört unser Dank: allen an der Organisation Beteiligten, den Spendern, den Helfern für ­die Garderobe und Maske, den Gestal­tern der Festwagen und vieler Kos­tüme, den Fahrern, den Kutschern, den Reitern und allen Darstellern. Dresdner Humoristen, Profis vom Operettentheater, vom Deutsch-Sorbischen Theater Bautzen wirken mit, Statisten kommen von der TU Dresden, von den umliegenden Schulen, den beiden Elbhang-Kirchgemeinden, von mehreren Vereinen und Freundeskreisen.

Das „Welterbe“ haben die drei Elbhangschlösser und die neue Bürger­initiative für die Rettung des Schlosses Uebigau im Blickpunkt. Jedes Jahr stehen am Straßenrand Zuschauer, die mit anerkennendem Beifall die große Vorarbeit und das Durchhalten der Darsteller auf ­sieben Kilometer Feststrecke bei ­jedem Wetter belohnen, Foto- und Filmemacher fühlen sich heraus­gefordert und schaffen schöne ­Erinnerungen. Traditionell findet auch zum „16.“ der Fotowettbewerb statt.

Auf ein gutes Gelingen! Viel Spaß beim Rumopern!

Hella Ulrich
(Gestalterin des Festumzuges)

Getagged mit: , , , , , , , , , , , ,
Veröffentlicht unter Artikel aus der Print-Ausgabe, Elbhangfest