Des großen Zauberers jüngster Streich

Spannend bis zur buchstäblich letzten  Minute blieb es am späten Sonnabend Abend für den Zauberer und „seine Lehrlinge“, für die Organisatoren vom Elbhang und für die vielen Besucher des Festes. Was wird nun der neueste Streich, was verbirgt sich hinter der „Oper ohne Schiff“?

„Oper ohne Schiff“ Foto: Holger Friebel

„Oper ohne Schiff“
Foto: Holger Friebel

Das Rätsel löste sich erst kurz vor 23 Uhr in Pillnitz, als plötzlich blaue Strahler aufflammten, die Elbe in mystisches Licht tauchten, wo Tausende von Mücken tanzten und leise, immer näher kommend, von der Elbinsel her Opernmusik ertönte… Ein vielstimmiges Raunen ging durch die Massen am Ufer, als das von der Ferne leuchtende, von einem „Helium-Mond“ überstrahlte schwimmende Gebilde sichtbar wurde: Ein überdimensional großes Grammophon bewegte sich wie von Geisterhand getrieben den Fluss abwärts. Darauf lag eine schlafende Gestalt, anscheinend wie betäubt von den herrlichen Klängen.

Als das Grammophon vor der staunenden Menge mitten auf der Elbe hielt, erhob sich diese Gestalt. Man erkannte Tom Quaas. Wohlklingend und lauthin vernehmbar trug er eine verzweifelte und innige Liebeserklärung an eine Stimme vor, untermalt von Tosca- und anderen Puccini-Arien, immer unterbrochen von kratzenden, unpoetischen Grammophongeräuschen. Alle ringsum lauschten, staunten und brachen in Begeisterung aus, als diese romantische Szene schließlich noch umrahmt wurde von einem maßvollen Feuerwerk.

Die Gestalt alias Tom Quaas sank wieder hernieder, drehte sich auf dem Grammophonteller, verzweifelt um Liebe flehend. Dann raffte er sich jedoch auf und mit einem letzten Gruß (Text von Georg Ladewig) an die Elbhänge schwebte das Grammophon mit der nun wieder schlafenden Gestalt und weithin hörbaren Opernklängen weiter flussabwärts dahin.

Sie war’s wieder: Diese Inszenierung von Tom Roeder zum Elbhangfest zählte wie erwartet zu den Höhepunkten des Festwochen­endes. Eigentlich war es seine Idee, zum Stadtjubiläum und Elbhangfest gemeinsam ein Opernschiff auf die Elbe zu bringen. Die praktische Umsetzung dieses Projektes scheiterte jedoch aus verschiedenen, vorrangig bürokratischen Gründen. Aber so schnell gibt ein Tom Roeder natürlich nicht auf!

„Oper ohne Schiff“ Foto: Jürgen Frohse

„Oper ohne Schiff“
Foto: Jürgen Frohse

Der geniale Einfall mit dem schwimmenden Grammophon kam ihm erst vor etwa zwei Monaten in seinem Heim am Elbhang. So rettete das 16. Elbhangfest zwar die Oper, aber nicht das Schiff… Daher dann auch der Fragen aufwerfende Titel „Oper ohne Schiff“. Die technische Umsetzung der großartigen Idee gestaltete sich sehr schwierig.  Gemeistert wurde sie u. a. vom  Maschinenbaustudenten Martin Küchler. Er konstruierte das beeindruckend, tonnenschwere Gebilde, legte selbst beim Schweißen mit Hand an und baute mit Hilfe der Kunstschlosserei Klinger den schwierigsten Teil, den Trichter.

Bis kurz vor dem Auftritt, in nur einem Monat, bauten zahlreiche Helfer im Dresdner Hafen aus alten Plaste-Fässern, die fest mit einer Stahlkonstruktion verbunden wurden, ein Floß, das den großen Holzkasten des Grammophons samt drehbarem Plattenteller bildete. Gefordert war eine hohe Stabilität, denn diese Konstruktion musste auch die Licht- und Tontechnik, den Schauspieler und den riesigen Trichter mit darüber strahlendem Mond über die Elbe schippern. In diesem Zusammenhang sei dem MC Elbe, der  Wasserschutzpolizei und dem Wasserstraßenamt für ihre Unterstützung gedankt.

Nach solchen noch in Erinne­rung gebliebenen Projekten wie die Orffsche „Mond-Aufführung“ 1993 und das Zigeuner-Feuerwerkschiff 1999  war auch dies wieder ein gelungenes Projekt des „Zauberers“ Tom Roeder. Erneut gelang ihm eine Premiere  ohne Probe, mit Zittern bis zum Schluss, eben so, wie er selbst sagte: „Mit heißer Nadel gestrickt“.

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Veröffentlicht unter Artikel aus der Print-Ausgabe, Elbhangfest
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Fahrer mit Goliath-Dreirad bei der Auslieferung in der Blasewitzer Hochuferstraße, um 1930. Foto: Dr. Georg Jäkel

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