Mit 90 Jahren eine sympathische Gymnastikgruppenleiterin

Schauen interessierte Leser/innen in das Gemeindeblatt der evangelischen St. Michaelskirchgemeinde in Dresden – Bühlau, entdecken sie ein interessantes Angebot:
 „Seniorengymnastik”.

Diese Veranstaltung wird von Frau Gertrud Lehmann zweimal im Monat angeboten. Nehmen wir uns Zeit und steuern an einem Montagmorgen das Pfarrhaus an, begegnet uns eine begeisterte Gruppe älterer Teilnehmer mit einer einfühlsamen Leiterin. Vorsichtig fragen wir nach dem Alter der Leiterin.

Wir sind überrascht, das diese aktive und Freude strahlende Frau im August 2007 im Restaurant Marcolini ihren 
90. Geburtstag mit Freunden und Verwandten gefeiert hat.
Wir besuchen sie in Bühlau in der Bachmannstraße und stellen eine Menge Frage zu ihrem langem arbeitsreichen Leben.

Ihre Familie hielt 1927 Einzug in die Waldvilla, Bachmannstraße 5. Der aufstrebende Luftkurort Bühlau erfährt um diese Zeit einen herben Rückschlag. Das Sanatorium musste aus verschiedenen Gründen schließen, die Turmvilla und die Waldvilla sollten verkauft werden. Der Ministerialrat im Finanzministerium Hugo Alfred Lehmann kaufte die Waldvilla und zog, mit seiner Familie im Dezember 1927 ein. Die vier Kinder – Gertrud und Irene als Zwillinge, Hans und Fritz – erlebten eine glückliche Kindheit und genossen das nahe 1930 öffentlich eingerichtete Bad in vollen Zügen.

Die Kinder haben die Geschichte des Bühlauer Bades und die Entwicklung des Ortes „hautnah” miterlebt.
 Von 1936 – 1938 lernte Gertrud den Beruf einer Krankengymnastin in Dresden. Im zweiten Weltkrieg war sie im Flugmeldedienst in Europa unterwegs.
Von 1948 – 1945 konnte sie sich in Weißig in ihrem gelernten Beruf selbständig eine Praxis aufbauen, ging aber anschließend als Krankengymnastin zum Kneipkurbad Berggießhübel. In dieser Stellung gefiel es ihr sehr gut und diese Arbeit füllte sie 28 Jahre aus.

 1981 erkrankte ihre Zwillingschwester Irene schwer. Gertrud pflegte sie im elterlichen Haus in aufopferungsvollen langen Stunden bis zu ihrem Tod.

Ab 1981 wurden die Kontakte zur evangelischen Kirchgemeinde intensiver. Durch Pfarrer Kircheis vermittelt, gewährleistete sie als Kirchnerin in fast 15 Jahren eine reibungslosen Ablauf vieler Gottesdienste und anderer Veranstaltungen. Außerdem hat sie sich auf dem Friedhof (Verwaltungsarbeit) und für Seniorennachmittage große Verdienste erworben.

 Viele Gemeindemitglieder haben sie noch in guter Erinnerung.
 Ihr Herz schlug jedoch besonders für die im Jahre 1991 begonnenen Seniorengymnastik–Stunden. Später kam noch geselliger Tanz und Gedächtnistraining dazu. Unzähligen älteren Menschen hat Gertrude Lehmann dazu verholfen, fit zu bleiben. Meist nahmen bis zu 21 Frauen an den unterschiedlichen Veranstaltungen teil.

Mit zunehmenden Alter musste sie sich etwas einschränken.

Gedächtnistraining und Tanz gab sie im Jahre 2005 auf. Gymnastik in der Gemeinde und im Seniorenheim (Bautzner Landstraße 108) führt sie als 90 jähriges, erstaunlich fröhliches und agil wirkendes Bühlauer Original weiter.
Die Teilnehmer, ob im Seniorenheim oder in der Gemeinde, sind nach wie vor mit viel Freude bei den Übungen und lassen ihre Leiterin nicht gern gehen. Die Übungen könnten immer noch viel länger dauern…!

 Ansonsten lebt Gertrud Lehmann in der geschmackvollen Wohnung, wie sie ihre Eltern vor 80 Jahren eingerichtet haben und hofft noch viele Gymnastikstunden mit Schwung und Freude durchzustehen und ältere Menschen ein Stück angenehmer Lebensqualität zu vermitteln.

Roland Lorenz

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Fahrer mit Goliath-Dreirad bei der Auslieferung in der Blasewitzer Hochuferstraße, um 1930. Foto: Dr. Georg Jäkel

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