„Kamerun“ feierte 125. Geburtstag

Das erste September-Wochenende im Elbhang-Umfeld „hatte es in sich“ – sollte man in Graupa Minna Wagners 200. Geburtstag feiern, am Schillerplatz zum „Brückenschlag“ ausholen, auf dem Weißen Hirsch des Kirchenbaus vor 120 Jahren gedenken, Straßenfeste Am Bauernbusch oder an der Weinleite feiern oder sich auf Rochwitzer Flur über 125 Jahre „Kamerun“ freuen?

Alle Veranstalter zogen ihre Trümpfe, doch die regional- und heimatgeschichtlichen Denkanstöße in „Bad Weißer Hirsch“ und „Kamerun“ boten wohl die bleibendsten Eindrücke. Was sich in Rochwitz ereignete, ist im Folgenden zu lesen (und wird auch in der zum Fest erschienenen Broschüre „Wege nach Kamerun“ vertieft – für 5 Euro in ortsansässigen Geschäften oder beim Kulturverein Alte Feuerwache Loschwitz zu haben).

Dietrich Buschbeck

Das Astros Saxophonquartett. Foto: Organisationsteam „125 Jahre Kamerun“

Das Astros Saxophonquartett.
Foto: Organisationsteam „125 Jahre Kamerun“

125 Jahre Neu-Rochwitz/Kamerun – Eine Fest-Rückschau

Schon in den frühen Morgenstunden des 4. September begann der Aufbau für das Jubiläum. Unter den anfeuernden Rufen der Kindergartenkinder „Kamerun-Fest, Kamerun-Fest“  sprang der Funke schnell über. Die Besucher waren dankbar über die gute Vorbereitung und die schlichte Form der Organisation. Jeder konnte den Programmpunkten beiwohnen, wurde nicht durch ein Überangebot erdrückt. Durch die herzlichen Auftritte und Darbietungen der Anwohner und Freunde und das Entgegenkommen der Künstler war eine besondere Festatmo­sphäre zu spüren: bei einer historischen Modenschau, historischem Kinderkarussell, Kammermusik, romantischer Lesung, Ausstellung, Geschichtsvorträgen samt Führungen, Fassbrause, Kuchen und Kaffee, Wein, Bier, Oliven und Steaks.

Kinder zapfen für Kinder. Foto: Organisationsteam „125 Jahre Kamerun“

Kinder zapfen für Kinder.
Foto: Organisationsteam „125 Jahre Kamerun“

Tolle Musiker des Astros-Saxophonquartetts, Trommelkids, Jazztrain, Sänger Michael Damme, Katrin und Martha-Johanna Knabe und andere hier wohnende Künstler fanden ihr Publikum. Parallelen und Erinnerungen an die Anfänge der Elbhangfeste waren zu erkennen. Die Öffnung privater Gärten gab ganz besonderen Veranstaltungen Raum. Bis tief in die Nacht wurde gefeiert und die Freude, endlich einmal wieder miteinander zu plaudern, wurde vielfach geäußert. Dem Einsatz aller Organisatoren, dem Wohlwollen der Anlieger und der logistischen Unterstützung durch den Kunst- und Kulturverein „Alte Feuerwache Loschwitz“ gilt unser besonderer Dank, ebenso den vielen Spendern und Unterstützern. Und schon kommen die Rufe nach einer Wiederholung auf. Wer weiß…?

Tilmann Deutscher

„Besucher einer Ausstellung“ – die ortsansässige Familie Schamm­ler in der „Galerie“ Kottmarstraße 3. Foto: Organisationsteam „125 Jahre Kamerun"

„Besucher einer Ausstellung“ – die ortsansässige Familie Schamm­ler in der „Galerie“ Kottmarstraße 3.
Foto: Organisationsteam „125 Jahre Kamerun“

Die Ausstellung

Am Anfang waren die Bilder, viele Bilder, alte Postkarten, verblichene Fotos und die Geschichten dazu, die wir von den Anwohnern für unser Jubiläumsfest erhielten.
Wir hielten einen kleinen Schatz in den Händen. „Dieser muss unbedingt allen Kamerunern und einer breiten Öffentlichkeit in Form einer Ausstellung gezeigt werden.“ Nun stellte sich die Frage nach den passenden Räumlichkeiten für eine Fotoausstellung.

Alexandra Hense, Miterbin des Siebertschen Nachlasses, öffnete  das z. Zt. leerstehende Haus Kottmarstraße 3 mit seinem morbiden Charme im unsanierten Zustand für unser Vorhaben. Schon Freitag Mittag kamen die ers­ten Neugierigen und wurden mehr und mehr. Welch eine Freude! Zu mancher Zeit platzten die kleinen Räume des alten Hauses aus allen Nähten. Erstaunlich, wie viel Lob die eher einfach gestaltete Galerie erntete.

Alexandra Hense und Tilmann Deutscher

Die vielleicht älteste Festbesucherin: Margarete Schammler (98)  aus dem Altersheim der Christen­gemeinschaft (mit ihrer Schwiegertochter Sabine Schammler). Foto: Organisationsteam „125 Jahre Kamerun"

Die vielleicht älteste Festbesucherin: Margarete Schammler (98)
aus dem Altersheim der Christen­gemeinschaft (mit ihrer Schwiegertochter Sabine Schammler).
Foto: Organisationsteam „125 Jahre Kamerun“

Lesung „Die Paradiesgärten von Kamerun“ im Schweizer Grund

Wissen Sie, wo der Schweizer Grund ist? Nein? Dann gehen Sie einfach die Ulrichstraße bis zur ersten scharfen Kurve hinauf und dann geradewegs in den Wald hinein. Dann stoßen Sie direkt auf die „Amalienquelle“. Zur Lesung „Die Paradiesgärten von Kamerun“ durften die Besucher durch den „Verwunschenen Garten“ der Kottmarstraße 3 hinunter in den Grund steigen und wurden dabei von kleinen Laternen geleitet. Unten angekommen, schwebten große und kleine Elfen herbei und untermalten zusammen mit zwei Musikerinnen (Ursula Kurze und Carola Hippler) die kuriose und kurzweilige Lesung „Die Paradiesgärten von Kamerun“ von Heike Eibenstein.

Gelesen wurde von Jochen Heil­mann und Sabine und Ekkard Schammler. Aus dem finsteren Grund wurde plötzlich eine märchenhafte, farbige Kulisse. Wer dieses zauberhafte Schauspiel miterlebt hat, sieht den dunklen Grund heute mit anderen Augen.

Alexandra Hense

Historische Modenschau auf der Festbühne,  veranstaltet von Katrin Raue. Foto: Organisationsteam „125 Jahre Kamerun"

Historische Modenschau auf der Festbühne,
veranstaltet von Katrin Raue.
Foto: Organisationsteam „125 Jahre Kamerun“

Erneuter Rundgang

Die Arbeitsgruppe Stadtteilgeschichte im Dresdner Geschichtsverein e. V. führt am 19. Oktober einen Stadtteilrundgang unter dem Thema „125 Jahre Rochwitz-Kamerun“ mit Herrn Karl Richter durch. Treffpunkt ist um 16.30 Uhr an der Bushaltestelle Bühlauer Straße in Ober-Rochwitz. An­schließend kann nochmals in der Kottmarstraße 3 die Fotoaustellung „125 Jahre Kamerun“ besucht werden. Interessenten sind herzlich eingeladen.

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