Bad Weißer Hirsch – „Auf der Spur zur Kur“

Die Neugier war groß – die Überraschungen umso größer. Was da an drei aufeinanderfolgenden lauen Spätsommerabenden auf dem Areal des ehemaligen Lahmann-Sanatoriums stattfand, begeisterte in seiner Mischung von Unwiederholbarkeit des Augenblicks, künstlerischer Kraetivität und selbstlosem Engagement.

Das Ehepaar Regina Felber und Johannes Richter hatten die Idee für das Spektakel und fanden im rührigen Verschönerungsverein Weißer Hirsch den prädistinierten Veranstaltungspartner. Es gelang ihnen in mehrmonatiger Vorbereitungszeit, eine riesige Schar bodenständiger „Bad-Weißer-Hirsch-Bürger“ (120 Mitwirkende!) – darunter zahlreiche künstlerische Prominenz – für ihr ambitioniertes Vorhaben zu begeistern.

Das „Kur-Ehepaar“ Pasacale Schulze und Peter Lobert sowie „Oberin Frl. Starker“ Regina Felber nahmen das Publikum in neun Szenen an ebenso vielen Orten mit auf den Gang durch einen Kur-Tag, beginnend mit der Aufnahme hin zu den Kur-Aktivitäten, dem Speiseplan, eine Festveranstaltung – sie fand im einzig zugänglichen Innenraum, dem morbiden Großen Speisesaal statt – mit einer Abendstimmung bis zum großen Unterhaltungsabend vor dem Herrenbad. Großartig hier die Protagonistinnen Barabara Hoene und Eleonore Elstermann, die mit ewig jungem Sopran (Jg. 1932!) als einstmalige Gesanglehrerin mit ihrem früheren Schüler Gunter Emmerlich hinreißend duettierte. Die musikalische Kost des Abends war inhaltlich, qualitativ und quantitativ von spiritus rector Rainer Promnitz so reichhaltig angerichtet, dass es unmöglich erscheint, alle Einzelheiten zu erwähnen. Olaf Bär erinnerte in vorzüglicher Deklamation an berühmte „schreibende Kurgäste“ wie Theodor Fontane, Franz Kafka, Thomas Mann und Rainer Maria Rilke. Eindrücklich auch die Reminiszenz an Mary Wigman durch Carola Tautz. Neben vielen heiteren künstlerischen Beiträgen klangen in kurzen Sequenzen auch ernste Geschichtsverläufe an. Einzig fehlte ein Beitrag, der die 45 jährige russische Okkupation, verantwortlich für den desolaten Zustand der Bausubstanz, ins Blickfeld gerückt hätte.

Den großen technischen Aufwand meisterte „Spotlight“ Norbert Freudenberg mit Unterstützung von „SPOT“ Volker Wenzel. Letzterer war in persona quasi das Verbindungsglied „nach unten“ zum Elbhangfest.

KNEIPPEN, KUREN UND L AMOUREN war das Motto des 12. Elbhangfestes 2002. Damals war das Gelände des Lahmann-Sanatoriums kurzzeitig für Interessierte zugängig. Es gebührt dem Investor, der Firma Baywobau Dresden, Herrn Dietze, außerordentlicher Dank, dass er diese einmalige Gelegenheit eines würdevollen Abschiedes vom ehemaligen Lahmann-Sanatorium ermöglichte und unterstützte.

Reinhard Decker

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