Glossiert: Zu Füßen der Sixtina

Unfrisierte Gedanken – was wäre wenn…

Die „Sixtinische Madonna“ (Ausschnitt)

Die „Sixtinische Madonna“ (Ausschnitt)

Als die von den Staatlichen Kunstsammlungen und dem Restaurator Dr. Christoph Schölzel (WH) nachgestaltete Sixtina (500) im Elbhangfestumzug von Loschwitz nach Pillnitz schwebte, war das nicht nur dem Festmotto geschuldet (der „schönsten Frau der Welt“ gewidmet), sondern zugleich eine Referenz an den Elbhang und die Vielen, die hier (und überelbisch in Blasewitz) zu den aktiven „Sixtina-Unterstützern“ gehören, nicht zu vergessen Dr. Stölzel selbst, der auch an der behutsamen Restaurierung des Gemäldes beteiligt war. Letztlich haben alle hiesigen Sparkassenkunden am Jubiläum Anteil, denn ohne das Geld der Sparkassenstiftung wäre die schöne Sixtina-Geburtstagsausstellung in der Sempergalerie nicht denkbar. Und ein Neu-Blasewitzer, der aus Italien stammende Posaunist Ercole Nisini, verlieh (zusammen mit zwei Musikerkollegen) der Ausstellungseröffnung den festlichen musikalischen Glanz. Noch eine Reminiszens: Der in Blasewitz namentlich bekannte Bürgermeister Carl Balthasar Hübler führte einst als junger Mann den durchreisenden Goethe in der Dresdner Galerie zur Sixtina und dürfte den Dichterfürsten für die schöne Erscheinung, die bereits Gerhard von Kügelgen kopiert hatte, eingenommen haben; Gleiches geschah dem Loschwitzer Maler Hassebrauk, als er 1955 die aus Russland zurückgekehrte Madonna in glühenden Farben „reproduzierte“.

„Tempi passati“ (vergangene Zeiten) könnte man achselzuckend meinen, wenn nicht eine Dresdner Zeitung uns zur besagten Ausstellungseröffnung daran erinnert hätte, dass die Sixtina auch „Politik, in Öl gemalt“ signalisierte. Gemeint waren die üppige päpstliche Belohnung von 1512 für die vatikantreuen Mönche in Piacenza und der Schmerz des heute dort tätigen Pfarrers Guiseppe Busani über den späteren gut bezahlten „Verlust“ (1754). Busani träumt davon, dass die Sixtina – sozusagen als Staatsakt – für eine kurze Zeit leihweise als „Weltkulturerbe“ an ihren Ursprungsort im Kloster San Sistano zurückkehren möchte, um eine Wunde zu heilen. Visionäre könnten nun (trotz konservatorischer, versicherungsrechtlicher und kunsthistorischer Vorbehalte) ein „Weltwunder“ herbeidenken: Der Heilige Vater bittet (wen?) um eine letztmalige Ausleihe des unschätzbaren Gemäldes und stellt dafür – noch zu seinen Lebzeiten – als „Gegenleistung“ die Ordination katholischer Frauen in Aussicht. Es sei daran erinnert: Bislang hätte die Jungfrau Maria – trotz ihrer Schönheit – nie zur Priesterin geweiht werden können. Wer möchte einem solchen religionsgeschichtlichen Weltwunder im Wege stehen? Die sächsische Staatsregierung hätte eine weltgeschichtliche Chance …

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