Beginn der Rekonstruktion des „Belvedere“ und Ausbau der Weine im eigenen Keller

Im Oktober des Jahres 2000 traf ich mich erstmalig mit Winzer Lutz Müller, nachdem seit 130 Jahren wieder Trauben der Sorte Riesling am Elbhang vor Schloss Albrechtsberg geerntet worden waren. Heute sind Lutz Müller und seine Partnerin Susan (s. Foto) stolze Eltern von Emma (4) und Fritz (1). Hund Diesel tollt fröhlich mit ihnen durch’s Gefilde.

Adolf Lohse (1807–1867) Pferdestall mit „Belvedere“ im Park Albrechtsberg, Dresden-Loschwitz.  Abb.: Sammlung Weidenhagen

Adolf Lohse (1807–1867) Pferdestall mit „Belvedere“ im Park Albrechtsberg, Dresden-Loschwitz.
Abb.: Sammlung Weidenhagen

Ein Traum wird wahr

Damals tönte es wie Zukunftsmusik: Im „Belvedere“ am Schloss Albrechtsberg Wein vom Elbhang auszubauen. Jetzt ist es so weit! Die ersten Trauben (Bacchus und Müller-Thurgau) wurden im September 2012 in Pillnitz geerntet und im Gewölbekeller des „Belvedere“ gekeltert in die neuen Tankanlagen gefüllt. Am 30. September erntete Lutz Müller und die fröhliche Helferschar der Winzerfamilie Weißburgunder. Derweilen läuft der Ausbau des „Belverdere“ auf Hochtouren. Abgestimmt mit der Denkmalpflege mauern, putzen und strahlen die Fachleute der Fa. Pilz aus dem Erzgebirge. Saniert werden Decken, Wände und die herrlichen Tonnen- und Kreuzgewölbe. Preußische Kappen entstehen dazu. Zur Geschichte des von Adolf Lohse projektierten Belvedere gehört, dass der Ort z. B. um 1805 von Lord Findlater als Stallung gebaut und nach den 1850er Jahren durch Prinz Albrecht als Pferdestall im „Ökonomiehof“ diente. Alte Wassertröge und Ringe zeugen noch von diesem Gebrauch. Im 20. Jahrhundert diente es für Lagerzwecke, spätere Vernachlässigung und Verfall waren sichtbar. Als die Eltern von Lutz Müller vor zwölf Jahren das Grundstück mit dem zu sanierenden Kavaliershaus pachteten, gehörte zur Verpflichtung und eigenem Plan auch, das eingefallene „Belvedere“ später zu sanieren. Für Sohn Lutz war es der Traum, hier, neben dem Wohnhaus der Familie, den eigenen Wein selbst ausbauen zu können. In den vergangenen Jahren geschah das im Weingut Prinz zur Lippe in Zadel. Im Verlauf der letzten Monate ergab sich durch das niedrige Zinsniveau am Geldmarkt, dass der alte Traum mit günstigen Krediten wohl überlegt, aber „Hals über Kopf“ und „auf Biegen und Brechen“ verwirklicht werden konnte.

Moderne Technik im alten Gemäuer

Heute stehen im Weinkeller des „Belvedere“ eine neue Weinpresse, eine moderne Pumpe, Filter und Entrapper (Gerät zur Entfernung der Trauben von den Stielen). Eine Augenweide bilden die fünf Weintanks mit einem Fassungsvermögen von je 2.200 Litern. Sechs Tanks fassen je 1.600 Liter. In Kürze kommen zwei Barriques für den Rotwein hinzu.

Winzer-Familie Müller jun. im neuen Weinkeller. Foto: Peter Weidenhagen

Winzer-Familie Müller jun. im neuen Weinkeller.
Foto: Peter Weidenhagen

Erfolgreiche Stadtwinzerfamilie

Die vom Stadtwinzer bearbeitete Rebfläche wuchs mittlerweile auf über drei Hektar am Elbhang zwischen Albrechtsberg, Lingnerschloss und Pillnitz. Vor dem Lingner-Schloss hatte er 27 Jahre alte und nicht mehr ertragreiche Weinstöcke gerodet und neue Reben gepflanzt. Die früher im Besitz von Pächtern am Hang befindlichen Parzellen waren kunterbunt mit verschiedenen Sorten bepflanzt. Lutz Müller pflanzte Riesling in Einzelpfahlerziehung, nahm damit weniger Ertrag in Kauf. Umso besser wurde die Qualität des Weines bis hin zu edelsüßen Qualitäten.  Zudem entschied sich Müller für eine saisonale Straußwirtschaft über dem Weinberg Albrechtsberg, dem Weinberg „mit dem schönsten Blick auf Dresden“. Diesen Sommer kam ein neuer, größerer Holzbackofen für Flammkuchen dazu. Eine weitere Gastronomie soll es mit dem rekonstruierten „Belvedere“ in absehbarer Zeit nicht geben: „Wir wollen kein Getöse“ sagt Müller und fügt hinzu „wir möchten Zeit behalten für uns, die Familie und Freunde, das ist uns wichtig!“ Viel Zeit kosten Vater Dr. Christian Müller die Vorbereitung der Veranstaltungen der Weingalerie.  Die neuen Weinseminare Oktober – Dezember sind unter www.winzer-mueller.de angekündigt. Legendär sind seine Vollmond-Schlenderweinproben. Mutter Renate Müller kümmert sich um die Enkel und die beiden Ferienwohnungen.

Michael Böttger

Im Oktober und November können Sie in der Straußwirtschaft sonn- und feiertags die Weine „Dresdner Elbhänge“ bei schönem Wetter zwischen 11 bis 19 Uhr genießen.
Die letzte WeinWanderung von igeltour in diesem Jahr zum „Weinberg mit dem schönsten Blick auf Dresden“ gibt es am  26. Oktober, 16 Uhr, ab Körnerplatz, Einmündung Körnerweg. (Tel. Anmeldung unter 0351 804 45 57 oder 0172 9930205)

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