Buch Dresden 1951 – 2006

Glossiert: Im Zwinger und am Körnerplatz „tickt“ es wieder

Die Wiedereröffnung des Mathematisch-Physikalischen Salons im Dresdner Zwinger fand – wie könnte es anders sein – eine demonstrative Entsprechung am Elbhang.

Dietrich Buschbeck

Dietrich Buschbeck

Bereits am Vorabend der Salon-Eröffnung feierten die Loschwitzer die Rückkehr ihrer Körnerplatz-Auslegeruhr; die passt zwar mit ihrem „Bauhaus-Outfit“ nur bedingt zur Gründerzeitfassade, hat dafür aber einen hohen symbolischen Wert. Dem entsprach auch das kleine Bürgerfest zu Füßen der Uhr, leider ohne Mikrofon und Lautsprecher für den Ortsvereinsvorsitzenden Jürgen Frohse.

Aber wenigstens der stets einsatzbereite Elbhangposaunenchor war nicht zu überhören. Und der Commerz kam auch zu seinem Recht: der ansässige Bäckermeister hatte für die neubenannte „Wippler-Uhr“ tief in die Tasche gegriffen und spendierte Brezeln, der Hausbesitzer Herr Großterlinden kredenzte Sekt. Den letzten fehlenden Rest des „Uhrengeldes“ erbrachte dann das prominent besetzte Benefizkonzert im gegenüberliegenden Ortsamt).

Bei der opulenten Eröffnungsfeier für den Mathematisch-Physikalischen Salon im Schauspielhaus gab es außer dezent-beziehungsvoller Cembalomusik nichts zu essen und zu trinken, aber glanzvolle, akustisch verständliche Reden und ein spektakuläres Salon-Experiment, bei dem den Zuschauern im wahrsten Sinne des Wortes „die Luft wegblieb“. Und der Commerz kam auch hier nicht zu kurz, sondern zu Wort: der spendenfreudige Salon-Sprössling Lange&Söhne durfte sich präsentieren.

Doch während die edlen Glashütter Uhren kaum zu hören sind, „tickt“ die berühmte Pleißnersche Uhrensammlung wieder im Mathematisch-Physikalischen Salon. Da wird der Elbhängler hellhörig: An die Uhrmacher-Dynastie Pleißner (zuletzt am Veilchenweg) erinnert doch ein 1948 von Friedrich Press geschaffenes Grabdenkmal auf dem Loschwitzer Friedhof, dessen vielschichtige Ikonografie Eberhard Münzner demnächst im Elbhang-Kurier ausdeuten wird. Fazit: Wer den Salon im Zwinger besucht, sollte angesichts der Duplizität der Ereignisse auch mal nach Loschwitz kommen. Dem stimmt sicher der Direktor des „Salons“ zu – immerhin ist er im nahen Blasewitz zu Hause.

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