Glossierte Nachlese: Hausgott Dionysos und der Opernball

Die Karawane zieht weiter – zum Elbhangfest

Zum diesjährigen Semperopernball wurden wieder einige Ehrengäste mit einem Orden dekoriert. Bei dieser Gelegenheit blieb leider der griechische »Hausgott« Dionysos unbeachtet, obwohl er – für jedermann sichtbar und vom Opernballfeuerwerk illuminiert – die Quadriga auf dem Dach des Opernhauses souverän lenkte. Noch zwei Tage zuvor hatte Kunst- und Wissenschaftsministerin Freifrau von Schorlemmer auf seine Präsenz hingewiesen, als sie die im Residenzschloss aufgebaute Ausstellung »Dionysos. Rausch und Extase« eröffnete. Wenigstens ein St.-Georgs-Orden h. c. für den »Gott des Weines, der Freude und der Fruchtbarkeit« wäre da eigentlich fällig gewesen, und Gunter Emmerlich vom Elb-(und Wein-)Hang hätte spontan eine passende Laudatio erfinden können.

Für die Dionysos-Ausstellung stellte der (zeitweise in Blasewitz beheimatete) Maler Anton Graff auch sein Portrait einer Bacchantin zur Verfügung, die »mit ihrem leichtgeöffneten Mund ... einen ungewöhnlichen Zug in der Portraitkunst jener Zeit verkörpert. Ein blaues Stoffband führt schräg über den als unbekleidet zu denkenden Oberkörper. ... Der warme Blick der Bacchantin, ihre leicht geröteten Wangen ... zeigen eine zurückhaltende Frau, ... die sich in der Rolle der Dionysos-Anhängerin wohlzufühlen scheint.« Leider ist dieses offenherzige Kunstwerk nur im Ausstellungskatalog zu bewundern, in der gleichnamigen Hamburger Vorgänger-Ausstellung durfte man es noch unbefangen betrachten. Reproduktion: Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Inv.-Nr. 88/28

Für die Dionysos-Ausstellung stellte der (zeitweise in Blasewitz beheimatete) Maler Anton Graff auch sein Portrait einer Bacchantin zur Verfügung, die »mit ihrem leichtgeöffneten Mund … einen ungewöhnlichen Zug in der Portraitkunst jener Zeit verkörpert. Ein blaues Stoffband führt schräg über den als unbekleidet zu denkenden Oberkörper. … Der warme Blick der Bacchantin, ihre leicht geröteten Wangen … zeigen eine zurückhaltende Frau, … die sich in der Rolle der Dionysos-Anhängerin wohlzufühlen scheint.« Leider ist dieses offenherzige Kunstwerk nur im Ausstellungskatalog zu bewundern, in der gleichnamigen Hamburger Vorgänger-Ausstellung durfte man es noch unbefangen betrachten.
Reproduktion: Gemäldegalerie Alte Meister,
Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Inv.-Nr. 88/28

Der Elbhang war ohnehin beim Opernball neben zahlreichen »Dienstleistern« mit prominenten Helfern präsent: Ohne Chefkoch Stefan Hermann (WH) und seinen Assistenten Kai Kochan (Hosterwitz) wären die Ballgäste vielleicht nicht satt geworden, und die walzertanzenden Debütanten hätten auf die Regie der Bühlauer Tanzschule Lax nicht verzichten können. Ebenso unverzichtbar war die von Heiko Stöwer (Pillnitz) arrangierte Möblierung des Hauses, und ohne die von Volker Wenzel und Roberto Brückner (SPOT Pillnitz) betreute Elektrik wäre das Ballambiente finster geblieben. Schließlich sorgte der Wachwitzer Feuerwerksinszenator Tom Roeder für den illuminatorischen Rahmen des Balles, der sogar die 10.000 Zaungäste zufrieden stellte.

Tom Roeder weiß auch etwas mit dem Nimbus des Dionysos anzufangen. Im Rahmen des Dionysos-Begleitprogrammes bestreitet er maßgeblich den »Schwof am 7. März« im Residenzschloss: Nach einem Ausstellungsrundgang (21 Uhr) sollen dort die tanzfreudigen Besucher ab 22 Uhr das in Blasewitz beheimatete UNIVERSAL DRUCKLUFT ORCHESTER von Peter Till und anschließend DJ ROEDER & SOHN »in dionysischer Stimmung« genießen – nicht etwa im überdachten klimatisierten Kleinen Schlosshof, sondern in der für diesen Abend reservierten Schlosskapelle (!). Ob diese etwas respektlos-dionysische Umnutzung des historisch einmaligen Ambientes Schule macht, bleibt abzuwarten.
Übrigens, die Dionysos-Ausstellung im Schloss schließt erst am 10. Juni ihre Pforten – wenige Tage vor dem Elbhangfest. Ihre ideelle Nähe zum Lob und Genuss des Weines macht sie symbolisch auch dem Elbhang verwandt – vielleicht ein indirekter Auftakt zum diesjährigen leichtfüßigen Elbhangfest?

P.S: In der Blasewitzer Kirche wurde im Februar eine »Bilderpredigt« gehalten, die das wiedererstandene Schlosskapellen-Portal des Residenzschlosses zum Thema hatte. Dabei wurde deutlich, dass sich die Ikonografie der »edelsten Portal-Komposition der deutschen Renaissance« durchaus mit der Ikonografie des nahezu gleichaltrigen Nosseni-Altars in der Loschwitzer Kirche messen kann. Beide Kunstwerke verleihen ihren Standorten eine gewisse Würde. Da ergeben sich vor dem Schwof in der Schlosskapelle« ein paar Fragen …

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Fahrer mit Goliath-Dreirad bei der Auslieferung in der Blasewitzer Hochuferstraße, um 1930. Foto: Dr. Georg Jäkel

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