Veit Hofmann erinnert sich seines Künstlerhaus-Nachbarn Hans Jüchser (1894–1977)

Der Maler Hans Jüchser hatte auf viele junge Künstler eine positive Vorbildwirkung. Dieser leidenschaftliche Prophet der Kunst hat uns vorgelebt, auf welche Art es möglich ist, die schwierigen Lebensumstände der Zeit zu meistern und sich dabei seine imaginäre Freiheit zu bewahren.

Hans Jüchser

Hans Jüchser

Einem breiten Publikum wurde er durch eine Personalausstellung 1961 im Schloss Pillnitz bekannt. Die Modernität seiner subtilen Malweise war für viele Betrachter ungewohnt und brachte Licht in diese dunkle kulturfeindliche Zeit, ähnlich einem aufgehenden Stern. Ich hatte den Vorzug, Hans Jüchser, ebenso wie Max und Wilhelm Lachnit, Hermann Glöckner und Helmut Schmidt-Kirstein schon als Kind zu kennen. Es waren beste (nachbarschaftliche) frühe Einflüsse auf dem Weg zu einer eigenen Künstlerlaufbahn.

Als Mensch hatte Hans Jüchser eine geheimnisvolle, freundliche Ausstrahlung. Wenn man sich mit ihm unterhielt war das Gespräch sofort von einem gehaltvollen Thema bestimmt. Sein Anliegen als Maler war, den der Natur innewohnenden Kräften etwas Adäquates als Künstler entgegen zu stellen. Mit seinem Schaffen bewegte er sich immer im Wechselspiel von Abstraktion und Gegenständlichkeit. Seine Bilder hatten etwas Neues und standen gleichzeitig in einer großen Tradition der Kunst des 20. Jahrhunderts. E

in vollendetes Kunstwerk gab es für Jüchser nicht. Der Arbeitsprozess selbst war für Ihn wichtiger als das Werk. Es passte zu seiner Persönlichkeit schon berühmt gewordene Werke seiner Hand, die bereits in großen Ausstellungen vorgestellt waren, später im Atelier zu übermalen. Infolge der Einordnung seiner Bilder in einer anderen Umgebung hatte sich sein Verhältnis zu den eigenen Schöpfungen verändert. Die Bilder von Hans Jüchser sind wie Juwelen, geheimnisvoll und tief. Seine aparten Farben werden von kostbaren Grautönen gesteigert. Er beschäftigte sich mit seinen Bildern so lange, bis sie eine eigene Seele hatten.

Hans Jüchser ist für mich immer gegenwärtig. Ich lebe und arbeite in seinem ehemaligen Atelier und es ist eine schöne Herausforderung für mich.

Veit Hofmann, 2005

 

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Fahrer mit Goliath-Dreirad bei der Auslieferung in der Blasewitzer Hochuferstraße, um 1930. Foto: Dr. Georg Jäkel

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