Katagami – Sammlung des Kunstgewerbemuseums Pillnitz in einer Ausstellung im Japanischen Palais

Das Pillnitzer Geheimnis der 92 Schachteln

Wer meint, die Schätze des Pillnitzer Kunstgewerbemuseums ausreichend zu kennen, wird in diesen Wochen eines Besseren belehrt. Kunsthistoriker haben im Pillnitzer Depot unlängst 92 Schachteln – besser: Kassetten – entdeckt und geöffnet, die dort 125 Jahre nahezu unbeachtet lagerten.

Darin befanden sich über 15000 aus Japan stammende „Katagami“, jeweils im Format eines größeren A4-Blattes. Als Katagami bezeichnet man kunstvoll handgefertigte papierne Färbeschablonen für den früher in Japan praktizierten Textildruck, der vor allem für die farbige Gestaltung von ebenso kunstvollen Kimonos Voraussetzung war. 140 Katagamis sind jetzt (bis Ende Februar) nicht etwa in Pillnitz, sondern beziehungsvoll im Japanischen Palais zu sehen, zu bewundern. Nicht nur ihr handwerklicher und künstlerischer Entstehungsprozess sind zu bewundern, sondern auch die völkerkundlich orientierte Kunstgeschichte, die bei dieser Gelegenheit vermittelt wird.

Dazu eine Empfehlung: Zuerst den Ausstellungskatalog „logical Rain – Die Logik des Regens“ (wenigstens oberflächlich) studieren, und dann erst den regen-akustisch untermalten Ausstellungsraum betreten. Das klingt geheimnisvoll, ist aber dem Kunsterlebnis dienlich. Der Katalogautor und Ausstellungkurator Wolfgang Scheppe, zugleich Philosoph und „Katagami-Entdecker“, vermittelt ein überquellendes Panorama, das man wenigstens bruchstückhaft zur Kenntnis nehmen muss, um den Regen, Japan und die dortige handwerkliche Kunst des Musterdekors, deren Einfluss auf die europäische Ornamentik in Kunst, Kunsthandwerk und entstehendem Industriedesign miteinander zu verknüpfen (nicht nur für Tapetenentwerfer interessant). Der Katalog (50 Seiten) kommt einer Dissertation nahe (ein paar Zwischenüberschriften wären hilfreich), aber er bereitet auf ein exotisches Kunsterlebnis vor. Quasi eine „Promotionsfeier“ wird es am Dienstag, 17. Februar, 14 Uhr geben, wenn Wolfgang Scheppe zur Kuratorenführung ins Japanische Palais einlädt.

Und die Staatlichen Kunstsammlungen machen uns schon heute neugierig: Sie suchten aus den 55.000 Pillnitzer Inventarnummern die schönsten Stücke aus, um sie ab 7. März unter dem Motto „Die Teile des Ganzen – Geschichten aus  der Sammlung des Kunstgewerbemuseums“ im Lipsiusbau an der Brühlschen Terrasse zu präsentieren. Da werden wir sicher auch die neue Pillnitzer Direktorin Tulga Beyerle zu hören und zu sehen bekommen – seit genau einem Jahr (1. Januar 2014) ist sie im Amt (und hat offenbar viele Ideen aus Wien mitgebracht).

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Fahrer mit Goliath-Dreirad bei der Auslieferung in der Blasewitzer Hochuferstraße, um 1930. Foto: Dr. Georg Jäkel

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