Buch Dresden 1951 – 2006

Editorial Februar 2015

Sprachen öffnen das Tor zur Welt. Meine eigenen Sprachkenntnisse beschränken sich leider auf einige Brocken Englisch. Ein Problem, das mich oft ärgert, das ich aber u. a. aus Zeitmangel bisher nicht abstellen konnte. Im Umgang mit Fremden und deren Sprachen haben offenbar viele Dresdner und ihre Nachbarn aus dem Speckgürtel der Stadt größere Probleme, die sie nun in martialisch anmu­tenden Schwarz-Rot-Gold vereinnehmenden „Spaziergängen“ glauben ausleben zu müssen.

Holger Friebel

Holger Friebel

Sicher ist unsere Demokratie nicht makellos, die große Zahl der Nichtwähler macht das deutlich, ebenso das Erstarken des rechten Spektrums. Gegen verödende Dörfer und fehlende Angebote für die Jugend hilft kein parteipolitisches Gezerre. Kritische Sicherheitslage und gleichzeitiger Stellenabbau bei der Polizei passen nicht zusammen.

Politik in der Demokratie bedeutet andauernde Anstrengung. Denn es darf, das sollte gerade Dresden gelernt haben, keinen „Führer“ mehr geben, dem die Masse hingerissen und gehorsam hinterhermobbt. Deshalb habe ich kein Verständnis für dieses Dresdner Zusammengehen von Bürgern, die gegen Defizite demonstrieren wollen, mit Stammtisch-Paro­len-Brüllern, Dynamo-Krawallern und Rechten, darunter jeder Menge Demo-Touristen.

Probleme mit der „Islamisierung des Abendlandes“ bei 2,2 Prozent Ausländeranteil in Sachsen sind kaum glaubhaft zu machen – etwa ein Mäntelchen über fremdenfeindlichen Ressentiments?

Ich bin empört, wie rufschädigend manche Leute mit ihrer wundervollen Stadt, die Weltgeltung plus Weltoffenheit braucht, umgehen. Eine Minderheit nötigt die Mehrheit, sich mit offensichtlichen Dummheiten wie den „Lügenpresse“-Parolen aus­ein­anderzusetzen.

Hier kann nur helfen, miteinander ein offenes Deutsch zu reden: Mit denjenigen, die echte Defizite vorbringen, muss gesprochen werden!

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Veröffentlicht unter Artikel aus der Print-Ausgabe, Der Elbhang-Kurier