Leserbrief: Verunreinigung des Kiessees Birkwitz-Pratzschwitz

Die aktuelle Badesaison steht vor der Tür. Doch seit einigen Jahren spüren Anwohner und Nutzer eine gravierende Veränderung des Sees, vor allem an der Ostseite Richtung Copitz. Die Kieswerke Borsberg leiten das „Spülwasser“ aus der Kiesförderung ungefiltert in den See.

Das führt zu einer Verschlammung und schränkt eine Nutzung des Sees immer mehr ein.Das ökologische Gleichgewicht des Kiessees ist in Gefahr und die reinigende Wirkung des Grobkieses ist bereits jetzt schon nicht mehr gegeben. Eine Bürgerinitiative sammelt derzeit Unterschriften, die das allgemeine Interesse verdeutlichen sollen, um einen sofortigen Stopp der Einleitungen in den Kiessee Birkwitz-Pratzschwitz bei den zuständigen Behörden zu erwirken. Bisher sind etwa 1.300 Unterschriften gezählt worden.

Für die Initiative ist der Kiessee mit seinen verschiedenen Uferzonen für viele Bürger aus der nahen und weiteren Umgebung ein Ort zur Ausspannung und Freizeitgestaltung im Einklang mit der Natur. Er ist für Familien, Jung wie Alt, eine Oase der Naherholung, die man sich nicht erkaufen kann. Mit Fördermitteln und viel Fleiß wurde die Kiesgrube seit den 1990 Jahren rekultiviert und ein großer Teil für Erholungssuchende nutzbar gemacht. Die Initiative sieht das in Gefahr.

Die Zustimmungen zur  Einleitung erfolgten durch das Oberbergamt Freiberg auf der Grundlage einer wasserrechtlichen Genehmigung durch das Landratsamt Pirna im Jahr 2001.Die Kiesunternehmen nutzen Wasser des Badesees Birkwitz-Pratzschwitz für die Kieswäsche im nahegelegten Kieswerk, dass Kies aus der Grube Pirna-Copitz fördert. Rückgespült wird das Spülwasser, was einen gewissen Anteil Feinsande enthält. Gemäß den planfestgestellten Unterlagen waren mit dem Neuaufschluss der Grube in Pirna-Copitz Absetzbecken vorgesehen, die nur im Anfangsstadium der Kiesförderung genutzt wurden. Derzeit zeigen die Kieswerke wenig Verständnis für einen Stopp der Einspülung. Eine sofortige Änderung wird als nicht machbar gehalten. Technische Möglichkeiten bestehen allerdings.

Nach mehrheitlicher Meinung auf der letzten Sitzung des Ortschaftsrates haben sich die Verhältnisse am Kiessee aber inzwischen geändert, so dass eine Einspülung für nicht mehr als gerechtfertigt gehalten wird. U.a. wurde das Gewässer als EU-Badegewässer eingestuft.  Das Thema ist nicht neu. Es stand schon öfters auf der Tagesordnung des Ortschaftsrates Birkwitz- Pratzschwitz, so auch im Herbst 2013 oder im Frühjahr und Herbst 2014. Änderungen erfolgten aber bislang nicht.

Ämter und Unternehmen beharren auf Ihren Untersuchungen und den Genehmigungen. Auch sprechen Sie davon, dass es keinerlei Beeinträchtigungen für den Kiessee gibt. Dem See wird eine gute Wasserqualität bescheinigt.

Auf der kürzlichen Ortschaftsratsitzung am 13.04.2015 gab es zunehmend kritische Stimmen. Durch die Einspülungen wird fremdes Eigentum und der Naturraum stark beeinträchtigt. Flora und Fauna sind ernsthaft in Gefahr. Das betrifft u.a. die Laichstellen der Fische wie auch die Biberpopulation im See.

Wie zum Zeitpunkt der Genehmigung angenommen, kommt es nicht nur im Bereich der Einspülstelle zur Verlandung, sondern betrifft inzwischen auch Andere, aus der Bergaufsicht entlassene Bereiche. Der Schwebstoffanteil im See ist seit den 1990er Jahren bereits erhöht. Luftbildauswertungen zeigen die dramatischen Veränderungen der Uferlinie. Die ehemalige Insel im Ostteil samt der Biberburg ist fast vollständig umspült. Die zunehmende Verlandung schreitet enorm fort.

Die Verschlammung am Seegrund und die Verringerung der Wassertiefe ist nach Aussage der Badeseebetreiber nachgewiesen. Am Boden des Sees hat sich bereits eine Schlammschicht gebildet. Die Zunahme von Algen ist zu erkennen. Durch die Algen erhöht sich der organische Anteil im See, der sich durch dunkle Ablagerungen am Boden bemerkbar macht. An heißen Tagen weist das Wasser bereits jetzt eine starke Trübung auf. Befürchtet wird die Verringerung des Sauerstoffgehaltes.

Tatsache ist, dass die zur Erlangung der wasserrechtlichen Genehmigung und der Planfeststellung eingereichten Unterlagen, wie u.a. der Landschaftspflegerische Begleitplan nicht mehr umzusetzen ist. Ausweg wäre eine Rückförderung der eingebrachten Sedimentanteile. Für alle Beteiligte ist es eine schwierige Situation.

Unter Regie des Ortschaftsrates von Birkwitz-Pratzschwitz werden derzeit Fragen gesammelt, um diese an die verantwortlichen Behörden zur Beantwortung weiterzuleiten mit dem Ziel eine Änderung schnell herbeizuführen. Dem Frieden in Birkwitz – Pratzschwitz und Umgebung Willen sollte zwingend ein unverzügliches Einlenken erfolgen und die Einspülungen in den Badesee schnell beendet und technisch anders gelöst werden.

Thomas Landgraf
Kontakt zur Bürgerinitiative besteht über die E-Mail birkwitz-pratzschwitz@gmx.de

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