Streetworker am Elbhang – Mobile Jugendarbeit neu in Loschwitz

Gibt es jetzt etwa auch Drogen-, Alkohol- und Randaleprobleme mit Jugendlichen am konservativen, altehrwürdigen Hang? Oder wozu gibt es das neue Projekt der Mobilen Jugendhilfe in Loschwitz? Schmunzelnd reagierten Michaela Gloger (ELA), Andreas Gremm und Stefan Stevens auf diese provozierende Frage und klärten mich dann über sich und ihr künftiges Wirken auf.

Das Team Straßenkreuzer Foto: Reiko Fitzke

Das Team Straßenkreuzer
Foto: Reiko Fitzke

Die drei sind Streetworker, alle um die dreißig und seit August am Elbhang aktiv. Sie haben eine fundierte theoretische Ausbildung im Bereich der Sozialen Arbeit und waren schon in den verschiedenen Bereich praktisch tätig.

MichaELA sammelte erste Praxiserfahrungen in der Offenen Jugendarbeit innerhalb ihres dualen Diplomstudiums. Anschließend war sie als Schulsozialarbeiterin in Leipzig tätig. Das Masterstudium verschlug sie dann nach Dresden und in die Mobile Jugendarbeit. Andreas kommt aus Hessen und ist über die Erlebnispädagogik, die Mobile Jugendarbeit im Landkreis Sächsische Schweiz/ Osterzgebirge und die Arbeit in einem Jugendhaus in der Dresdner Neustadt wieder in der Mobilen Jugendarbeit gelandet. Stefan stammt aus dem Rheinland. Auf seine berufliche Erstausbildung folgte die Umorientierung und das Studium zum Sozialarbeiter. Er war bisher in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit unterwegs. Bei jungen Leuten punktete er besonders durch seine Erfahrungen in der spezialisierten Jugendarbeit mit Bewegungskulturen (Skateboarding).

Das Trio des „Straßenkreuzer“ – so der originelle Name des Projektes – ist drei Tage in der Woche, Dienstag, Donnerstag und Freitag, zwischen den Stadt-bzw. Ortsteilen Weißer Hirsch und Söbringen und sogar bis ins Schönfelder Hochland in einem auffälligen roten VW Bus unterwegs. Dabei erkunden die Streetworker bereits vorhandene Treffpunkte und suchen die jungen Menschen dort auf.

Und genau das ist das Manko am Elbhang: Es gibt hier kaum offene Räume und Angebote für Jugendliche! Soziokulturelle Einrichtungen wie die Alte Feuerwache und der Elbhangtreff Niederpoyritz sowie diverse ortsansässige Sportvereine sind alle an Mitgliedschaften, Kurse oder konkrete Veranstaltungen gebunden. Aber um sich einfach mal irgendwo ungezwungen treffen und unterhalten zu können; dafür haben die jungen Elbhangbewohner bisher nur wenige Möglichkeiten.

In der Dresdner Jugendhilfeplanung wurde dies auch als ein Hauptgrund für die Notwendigkeit der Gründung eines Projektes der Mobilen Jugendarbeit in Loschwitz gesehen. Derzeit existieren in allen Dresdner Stadtteilen 17 solcher mobilen, an die jeweiligen Ortsämter angegliederten Projekte in unterschiedlicher Trägerschaft, wie beispielsweise der Diakonie, dem Stadtjugendring und der Treberhilfe Dresden e.V.. Bekannt sind u. a. Projekte wie das „Sofa 9“ in Blasewitz oder das Fanprojekt Dresden e.V.

Das Streetworkerteam beim Loschwitzer Vereinstag. Foto: Ulrike Schüler

Das Streetworkerteam beim Loschwitzer Vereinstag.
Foto: Ulrike Schüler

Alle Streetworker eint die Aufgabe, sich als Gast in die Lebenswelt junger Menschen zu begeben, ein offenes Ohr für die Belange der Jugendlichen zu haben und gemeinsam mit ihnen nach für alle Seiten tragbaren Lösungen für deren Wünsche zu suchen. Das Besondere an den Gesprächen mit Streetworkern ist dabei neben der Vertraulichkeit und Verschwiegenheit, dass eine von Jugendlichen gewünschte Anonymität gewahrt werden kann. (Weitere Infos unter www.streetwork-dresden.de)

Genau darum geht es nun auch ELA, Andreas und Stefan am Elbhang. Sie sind gespannt und freuen sich auf die Begegnungen und Gespräche mit jungen Leuten. Erste Aktionen, um das gegenseitige Kennenlernen zu erleichtern, waren zum Beispiel der „Tag der Vereine“ (3. Oktober) oder die „Jagd nach Mister X“ (14. Oktober).

Bis Ende Oktober lief in diesem Rahmen auch die Fotochallenge #streetviewDDOst, in der Jugendliche aufgefordert wurden, ihr Viertel, wie sie es sehen, zu zeigen und die Fotos per Facebook oder Twitter an das Projekt zu senden. Die besten davon wurden ausgesucht, mit Karten für Kino oder Konzert prämiert und im Büro des „Straßenkreuzer“ in der Bautzner Landstraße 128 ausgestellt.

Das Büro ist zugleich auch ein möglicher Anlaufpunkt- und Treffpunkt für Jugendliche. Jeden Mittwoch von 16 bis 19 Uhr sind MichaELA, Andreas und Stefan dort für junge Menschen bis 27 Jahre erreichbar. Wichtig ist es den Streetworkern, hier für die jungen Besucher einen Raum zu öffnen, den sie selbst gestalten und in dem ihre Themen, Ideen und Wünsche besprochen und geplant werden können. Deshalb existiert auch (noch) kein fes­ter Veranstaltungsplan, Termine sind flexibel und werden u. a. via Facebook  oder Whatsapp (0157-51 92 90 74) kommuniziert.

Und wir als Redaktion, die wir alle die fünfzig überschritten haben, hoffen, dass wir durch diesen und weitere Berichte über das Projekt der Mobilen Jugendarbeit auch ein Tor für junge Leser öffnen können und freuen uns auf Reaktionen darauf!

Sonja Bernstengel

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Veröffentlicht unter Artikel aus der Print-Ausgabe, Der Elbhang-Kurier
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Fahrer mit Goliath-Dreirad bei der Auslieferung in der Blasewitzer Hochuferstraße, um 1930. Foto: Dr. Georg Jäkel

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