Nachruf für Dr. Heinz-Werner Lewerken

Am 9.März 2018 verstarb Dr. Heinz-Werner Lewerken in Haus seiner Familie in Hosterwitz, seinen 72. Geburtstag konnte er am 13. Februar noch mit seiner Frau Sabine, seinen Kindern und Enkeln im vollen Bewusstsein feiern.

Pfarrer i.R. Dietmar Selunka setzte am 19. März d.J. seiner Trauerpredigt in der Hosterwitzer Kirche »Maria am Wasser« den nachdenkenswerten und tröstlichen Prediger-Text: »Ein jegliches hat seine Zeit und alles Vorhaben hat seine Stunde« (AT / Prediger 3, 14) voran und bewegte mit seinen Auslegungen dieser Worte die Trauergemeinde gleichsam mit dem sanften Verweis darauf, dass wir allesamt nur Gast auf dieser Erde sind. Als dann später der Elbhangposaunen-chor auf dem sonnenbeleuchteten Hosterwitzer Friedhof u.a. den Choral »Komm oh Tod, Du Schlafes Bruder« aus der Solo-Bach-Kantate »Ich will den Kreuzstab gerne tragen« (BWV 56) intonierte, war dies ganz im Sinne ihres einst langjährigen und engagierten Tenorhorn-Bläsers Heinz-Werner – und es war eine Verneigung des Posaunenchores vor seinem nun nicht mehr lebenden Musiker-Kollegen.

Dr. Heinz-Werner Lewerken,
Foto: Sabine Lewerken

Geboren am 13. 2. 1946 in St. Wendel (Saarland) und übersiedelt mit seiner elterlichen Familie 1956 nach Suhl (Thüringen), besuchte er dort die 10-klassige Polytechnische Oberschule und machte 1965 nach dreijähriger Ausbildung seinen Facharbeiterabschluss in seinem Wunschberuf als Büchsenmacher (Systemmacher). 1970 absolvierte er an der Fachschule für Museologie Leipzig das Studium als »Staatlich geprüfter Museologe«. Bereits im selben Jahr begann er als Restaurator bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in der Restaurierungswerkstatt im Dresdner Zwinger des damaligen Historischen Museums (jetzt Rüstkammer) zu arbeiten; seit 1974 stand er dem personell erweiterten Werkstatt-Team als Chefrestaurator vor.

Der Drang, den Dingen tiefer auf den Grund zu gehen, sicher auch die Wissbegier des Mitarbeiters einer der ganz großen Kunstsammlungen weltbedeutender und europäischer Dimension, bewogen Heinz-Werner Lewerken zum kunstwissenschaftlichen Studium an der Leipziger Martin-Luther-Universität und dem Erlangen des Diploms als Kunstwissenschaftler, das er 1989 mit der Promotion zum Dr. Phil. krönte. Seine berufliche Kariere mündete dann in seine Funktion als Direktor der Rüstkammer, die er von 1998 bis 2006 mit allen Höhen und Tiefen bewältigte. Heinz-Werner Lewerken war ab 1980 Mitglied der Arbeitsgruppe Metallrestauratoren der Fachsektion Restaurierung und des Verbandes Bildender Künstler, Sektion Restaurierung (Jetzt VDR).

Neben all den fachspezifischen, von ihm kontinuierlich durchlaufenen Entwicklungsphasen publizierte er, insbesondere mit dem Prachtband: »Kombinationswaffen des 15. – 19. Jahrhunderts«, Militärverlag der DDR, Berlin 1989. Gerade in dieser Zeit des friedlichen Aufbruchs, im Herbst 1989, gehörte auch er zu denen, die keine Montagsdemonstration auf den Straßen Dresdens ausgelassen haben. Als eines seiner besonderen Arbeitsergebnisse soll aus vielen anderen Tätigkeiten für »seine« Rüstkammer auf sein Leitungsengagement als Kommissarischer Direktor 1992 für die grundlegende Umgestaltung und Neu-Einrichtung der einst Ständigen Ausstellung der Rüstkammer im Ostflügel des Semper-Baus verwiesen sein.

Bei allen Vorhaben und allem tätig sein stand ihm seine Frau Sabine aktiv und unterstützend als Partnerin zur Seite , was ihm sehr bewusst war. Zunächst im Pillnitzer Schloss wohnend, zog die Familie Lewerken, die inzwischen um die Kinder Adrian und Bettina bereichert war, später in das von ihr erworbene Haus mit Garten nach Hosterwitz, Dresdner Straße. Hier war er Mensch, hier konnte er frei sein, und seine runden Geburtstage feierte er mit seinen ihn umgebenden und wegbegleitenden Freunden aus dem Sprengel bei barocker Atzung, feinster Tischgestaltung und fröhlichen Liedgesängen bis in die Morgenstunden.

Solange es sein Gesundheitszustand zuließ, arbeitete er in seiner Souterrain-Werkstatt, seinen einstigen Beruf mit jahrzehntelanger restauratorischer Erfahrung qualitätvoll ausübend, temporäres Ungemach ausgleichend, sich findend in handwerklicher Perfektion, nichts dem Zufall überlassend – dieses Refugium macht heute den Eindruck, als wolle Hein-Werner Lewerken jeden Moment dort weitermachen, wo er Tage zuvor aufhörte.

Alles hat seine Zeit und alles Vorhaben hat seine Stunde – in dieser seiner Werkstatt ist es ruhig geworden. Wir alle werden Dr. Heinz-Werner Lewerken in unseren Erinnerungen bewahren.

Jochen + Gabriele Flade / im April 2018

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Fahrer mit Goliath-Dreirad bei der Auslieferung in der Blasewitzer Hochuferstraße, um 1930. Foto: Dr. Georg Jäkel

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