Elbhangfest-Reminiszenzen und Impressionen in Farbe

Loschwitzer Elbhangfest-Impressionen

In der 28-jährigen Elbhangfest-Ära ist ein bewährter Fest-Ritus entstanden, der weder vom Wetter noch vom Fest-Motto abhängt – es sei denn, dass aller vier Jahre eine Fußballweltmeisterschaft dazwischen fährt (!). Das Programmheft – fast schon eine Programm-Bibel – signalisierte bei aller Vielfalt festgefügte Abläufe – auch 2018.


Der Auftakt-Freitag, wie immer von zahlreichen Vernissagen zwischen Pillnitz und Loschwitz begleitet, endete (nach dem außerordentlich »kurzweiligen« Eröffnungskonzert in der Loschwitzer Kirche) mit einer bildungspolitisch-brisanten Erkenntnis im Open-Air-Kino der »Villa Rosenhof«: »Um Gründer oder Erfinder zu werden, braucht es kein Abitur und kein abgeschlossenes Studium, wenn man stattdessen ›Inspirationen‹ umsetzen kann, wie sie Manfred von Ardenne hatte«. Da verwundert es nicht, dass am Sonnabendmorgen seine beiden Söhne (als Schirmherren des Festes) vor der Loschwitzer Kirche den »wunderbaren Elbhang als eine Erfindung von Gottvater« preisen konnten (wer wollte da widersprechen?). Vielleicht waren die beiden Brüder auch ein bisschen vom gutgelaunten Elbhang-Posaunenchor euphorisiert, der diesmal seine Festmusik vielsagend »ansagen« ließ – sogar die »Erfindung« des Kaffeefilters wurde musikalisch und zum Mitsingen animierend umgesetzt: C-a-ef-ef-e-e, trink nicht so viel … etc.
Zu solchen Reimen passte dann nahtlos die »Moderatoren-Lyrik« von Rainer Flache, der auf bewährte Weise den Festumzug »von einst und jetzt« interpretierte – und anschließend von seiner Tochter »einfach so« Eierlikör ausschenken ließ (diesen Gag hatte er selbst »erfunden«). Da konnte man es verschmerzen, dass der OB das Fest nicht selbst eröffnete (er delegierte – ohne Rederecht – lediglich einen Rathausvertreter und dazu zum Trost einen Freistaatminister – beide am Elbhang zu Hause), weil er wenig später im Schloss Albrechtsberg den diesjährigen Dresdner Kunstpreis verleihen durfte. Das hatte auch eine Elbhang-Note: Preisträger Professor Jürgen Schieferdecker hat seine »Haus-Galerie« auf dem Weißen Hirsch, und Förderpreisträger und Musiker Ezé Wendtoin, in Schwarzafrika zu Hause, wohnt seit längerer Zeit auf dem Elbhang-Kamm im nahen Weißig (er bedankte sich sogar klassisch auf deutsch singend!).
Wieder auf Loschwitzer Boden – der fulminante Nachtumzug war bereits Geschichte – konnte man im Sonntags-Festgottesdienst erneut die Elbhang-Bläser vernehmen, die der staunenden Gemeinde ihre Bass-Tuba als technische Wunderwerk-Erfindung präsentierten, und Pfarrer Deckert setzte noch eins drauf, indem er sich in seiner Festpredigt mit dem diesjährigen Festmotto auseinandersetzte. Er hatte u. a. bemerkt, dass auf dem Festplakat die »Erfinder-Schnecke« die Loschwitzer Kirche ansteuerte. Das inspirierte ihn zu zahlreichen Verweisen auf biblisch inspirierte Kreativität, die sich im praktischen Gemeindealltag äußert. Vorschlag für 2019: Im Programmheft des Elbhangfestes sollte auch der »verordnete Predigttext« für den Festsonntag vermerkt werden, damit kein Elbhangpfarrer am Festmotto »vorbeipredigen« kann …
Übrigens: In der Woche nach dem Fest fand eine planmäßige »Brückenhauptprüfung« am Blauen Wunder statt. War das wirklich nötig? Immerhin wurde in der Gründer-und-Erfinder-Straßenausstellung dem einstmaligen Brückenkonstrukteur Professor Claus Köpcke höchstes Lob gezollt, und das darf auch weitere Jahrzehnte gelten.

DB


Der Hingucker: Badevergnügen am Rande der Pillnitzer Landstraße trotz herbstlicher Temperaturen

Der Hingucker: Badevergnügen am Rande der Pillnitzer Landstraße trotz herbstlicher Temperaturen


Begeisternde Elbereise

Kurz vor Altwachwitz am Sonnabendnachmittag mitten auf der Pillnitzer Landstraße eine große Menschentraube: Der Grund waren zwei Musiker, Micha Schaufuß und Frank Menzer, von der Gruppe Unfolkkommen, die die Zuhörer mit säggs´schen Folksliedern begeisterten und zum Mitsingen und Schunkeln anregten.
Seit acht Jahren sind die beiden Musiker, auf der Suche nach alten sächsischen Liedern, von denen sie inzwischen 14 gemeinsam mit den Gastmusikerkollegen Jens Sachse (Geige) und Frank Deutscher (Bandoneon) auf einer sehr hörenswerten CD „Elbereise“ präsentieren.
Nach ihren erfolgreichen Auftritten zum Elbhangfest reisen Micha Schaufuß und Frank Menzer zum bekannten Folk-Festival Anfang Juli ins thüringische Rudolstadt.

S.B.

Unfolkkommen: Jens Sachse (Geige) und Frank Deutscher (Bandoneon)

 


Landestypische Speisen und orientalische Klänge im Elbhangtreff.Niederpoyritz

Ein üppiges Buffet und ein vielseitiges Unterhaltungsprogramm lockte die Elbhangfestbesucher ins Café Gustav, einem Integrationsprojekt im Elbhangtreff. in der alten Schule in Niederpoyritz, der sich, so idyllisch zwischen Fluss und Elbhang gelegen, zu einer wahren Familienoase entwickelt hat.
Lammwürstchen vom Grill, landestypische Speisen, vorbereitet von Geflüchteten und Familien vornehmlich aus Syrien, Afghanistan, Somalia, Eritrea u.a. waren bis zum Abend restlos „verputzt“. Riesigen Beifall eines großen Publikums fanden die Kinder mit ihrem Breakdance. Auf der Bühne wechselten orientalische Klänge eines syrischen Oud-Spielers mit Rockmusik des Bigger Bang Orchestra und bodenständigen Rhythmen der Elbscheechen, am Weltkarten-Tisch wurde gerätselt und in der bunten Flohmarktecke allerhand Gespendetes „Rares für wenig Bares“ verschenkt und verkauft für einen guten Zweck.
Dass die Ureinwohner und die fremden Neuankömmlinge am Elbhang so friedlich, so fröhlich miteinander aus- und ins Gespräch kommen, dafür hatte der Himmel ein Einsehen und hielt sich bis zum Abend mit Regen zurück.
Die buchstäblich ins Wasser gefallene Kunstauktion wurde auf das Herbstfest verschoben.

Evi Bergmann

Foto: Dorothea Brune-Rau

Foto: Dorothea Brune-Rau

Foto: Dorothea Brune-Rau

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Fahrer mit Goliath-Dreirad bei der Auslieferung in der Blasewitzer Hochuferstraße, um 1930. Foto: Dr. Georg Jäkel

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