Offener Brief zum Artikel »Glanz und Misere am Lingnerschloss«

Der Vorstand des Fördervereins Lingnerschloss hat mit einem »Offenen Brief« auf den Artikel über die Sanierung und die Streitigkeiten am Lingnerschloss in der Märzausgabe des ELBHANG KURIERS reagiert. In dem Artikel hatten wir die unterschiedlichen Seiten des Themas beleuchtet und mehrere Beteiligte zu Wort kommen lassen. Das ist journalistische Arbeitsweise.

Lingnerschloss; Foto: Jürgen Frohse

In der Tat hatte Herr Dr. Lenk unserem Autor ein langes Interview als Antwort auf seine Anfrage zukommen lassen – allerdings ein Interview, in dem er Fragen und Antworten selbst formuliert hat. Das ist nicht journalistische Arbeitsweise. Gleichwohl sind aus den Angaben dort einige wesentliche Informationen in den Artikel eingeflossen. Wir veröffentlichen nachfolgend den offenen Brief des Vorstands vom Förderverein Lingnerschloss.

Leider bringt dieser erneut auch das zum Ausdruck, was unser Hauptkritikpunkt an der aktuellen Situation vor Ort war: Verhärtete Fronten zwischen eigentlich zur Förderung des gleichen Projektes angetretenen Partnern ohne erkennbare Kompromissbereitschaft.
Der Elbhang-Kurier steht dem Projekt Lingnerschloss sehr wohlwollend gegenüber und hat es in der Vergangenheit durch zahlreiche Veröffentlichungen positiv begleitet. Das werden wir gern auch weiterhin tun. 

Herausgeber und Redaktion


Stellungnahme zum EHK-Artikel »Glanz und Misere am Lingnerschloss« von Bernd Hempelmann

Dresden, 02.03.2020

Sehr geehrte EHK-Redaktion,
mit großem Befremden haben wir den oben genannten Artikel in Ihrer Märzausgabe gelesen.

Herr Hempelmann war im Januar an unseren Vorstandsvorsitzenden mit der Bitte um ein Gespräch zur Situation am Lingnerschloss herangetreten. Dr. Lenk hat ihm daraufhin zur Vorbereitung auf dieses Gespräch Unterlagen in Form eines fiktiven Interviews überlassen, dessen Inhalt im Vorstand abgestimmt war und ein realistisches Bild über die aktuelle Lage vermitteln sollte. Gelegentlich eines kurzen Zusammentreffens bei der 30-Jahrfeier des SPD-Ortsverbandes Weißig ließ Herr Hempelmann dann wissen, dass dieses Material viel zu umfangreich sei und er daher Vieles anders machen müsse.

Mit Verwunderung stellen wir nun fest, dass diese Aussage leider nicht der Wahrheit entspricht, denn die von Ihnen dafür bereitgestellten 4 A4-Seiten hätten sehr wohl ausgereicht, um das gesamte Interview ungekürzt zu veröffentlichen. Stattdessen wurde erneut denjenigen eine Argumentationsplattform geboten, die seit mehr als 3 Jahren versuchen, die Tätigkeit des Fördervereins Lingnerschloss e. V. öffentlich zu diskreditieren, um ihre eigenen Pläne am Lingnerschloss durchzusetzen.

Im Grundton Ihres Artikels werden die Probleme am Lingnerschloss auf einen persönlichen Konflikt zwischen zwei Protagonisten heruntergebrochen. Das ist haargenau die Taktik, die unsere Widersacher seit Langem verfolgen, um vom eigentlichen Problemfeld abzulenken.

Ein Blick in die im Bundesanzeiger veröffentlichen Wirtschaftsdaten von LGB hätte dagegen einem seriösen und verantwortungsvollen Journalismus genügen können, um sich ein Bild über die wahren Ursachen der »Misere« zu machen:

Danach wurde allein 2018 von LGB ein Verlust von 130.000 EUR eingefahren. Insgesamt ist damit bis 2018 ein kumulativer Bilanzverlust von 365.000 EUR aufgelaufen, bei Lichte betrachtet sogar von 405.000 EUR, wenn man die offenen Forderungen des Vereins aus Betriebs- und Nebenkosten hinzurechnet. Da für 2019 mit einem ähnlichen Ergebnis zu rechnen ist und 2020 bereits weitere Mietschulden hinzukommen, sind die Zahlungsrückstände gegenüber dem Verein inzwischen bereits auf etwa 116.000 EUR angewachsen. Da müsste ein mittleres Wunder geschehen, um dieses Schiff wieder fahrtüchtig zu machen.

Die jahrelangen Verunglimpfungen und persönlichen Beleidigungen der Vereinsführung, insbesondere des Vorstandsvorsitzenden, durch Carsten Dietmann & Co. dienten offensichtlich dem alleinigen Zweck, von eigenem Versagen und unprofessionellem Management abzulenken.

Bedauerlicherweise ist nun auch der EHK auf diese Linie eingeschwenkt und in seiner Berichterstattung leichtgläubig einer Vielzahl von »Fake News« alà Trump aufgesessen, die sich durch Fakten und Insider-Zeugnis leicht widerlegen lassen, wie folgende Beispiele zeigen:

Nicht der Vorstandsvorsitzende Dr. Lenk, sondern LBG mit dem damaligen Geschäftsführer Oliver Schlupp hat den Mietvertrag von 2008 zum ersten Mal infrage gestellt, indem dieser bereits nach dem Ende der ersten vollen Freiluftsaison 2011 aus nachvollziehbaren Gründen an die Vereinsführung herantrat und die Bergstation der ehemaligen Lingnerbahn als Ausschank für die Sommerwirtschaft von LGB als prinzipiell ungeeignet zurückwies.

In schroffem Gegensatz zur Darstellung von C. Dietmann war die denkmalgerechte Rekonstruktion der Bergstation 2015/16 keine Marotte des Vorstandsvorsitzenden, sondern eine Auflage der kommunalen Denkmalschutzbehörden und Bedingung »sine quam non« für die Baugenehmigung zur Errichtung des neuen Ausschankgebäudes der heutigen Bauart auf denkmalgeschütztem Gelände, die im Übrigen nach Aufgabenstellung von LGB erfolgte.

Im März 2019 ist nicht der Vorstand komplett zurückgetreten, sondern lediglich die Initiatoren der von Herrn Hempelmann erwähnten Palastrevolte, die erst im Oktober 2018 auf Betreiben des »Freundeskreises Reißmann« in den Vorstand gewählt worden waren. Es hat deshalb auch keiner Neuwahl bedurft, um die Arbeitsfähigkeit des Vorstandes zu gewährleisten.

Es hat weder in 2013 noch danach eine Zustimmung des Vereinsvorstandes für die Privatbeteiligung des damaligen Vorstandsmitgliedes Dr. Reißmann an LGB gegeben. Diese war nach dem geltenden Mietvertrag auch nicht erforderlich, da diese mit 24,9 % knapp unter dem vereinbarten Limit für die Zustimmungspflicht des Vermieters bei Veränderungen der Gesellschaftsverhältnisse des Mieters lag.

Selbstverständlich darf der Verein als Erbbauberechtigter nicht Teile der ihm anvertrauten Immobilie veräußern. In der angesprochenen Veranstaltung vom 10.01.20 ist deshalb auch nichts Gegenteiliges geäußert worden. Es wurde lediglich darauf hingewiesen, dass für den Verein nach dem Auslaufen des 15-järigen Pachtvertrages mit der VON ARDENNE GmbH am 31.12.19 die Möglichkeit besteht, mit einem neuen Partner einen ähnlichen Pachtvertrag zu schließen, um damit zusätzliche Einnahmen für die Bausanierung zu generieren.

Wir verzichten hier auf weitere Details, glauben aber hinreichend deutlich gemacht zu haben, dass die Darstellung von Herrn Hempelmann die Situation am Lingnerschloss nicht nur unzureichend reflektiert, sondern in einer Vielzahl von Punkten unsensibel und wahrheitswidrig geradezu auf den Kopf stellt.

Offensichtlich wurde dem LGB-Management mehrfach Gelegenheit für subjektive Meinungsäußerungen gegeben, ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, dazu auch die Sicht des Fördervereins einzuholen. Das wirft Fragen auf, die wir im Interesse unserer Mitglieder und unserer zahlreichen ehrenamtlichen Helfer gern beantwortet hätten.

Wir überlassen es Ihnen, daraus die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Der Verein steht derartigen Attacken auch keinesfalls wehrlos gegenüber. Falls von Ihrer Seite keine zeitnahe Richtigstellung erfolgt, werden wir dazu auf unserer Vereins-Homepage Stellung beziehen oder besser noch: zu einer öffentlichen Debatte im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe »Lingnerpodium« einladen. Als EHK-Redaktion werden Sie dann Gelegenheit haben, Ihre journalistischen Absichten zu erläutern.

Insgesamt beurteilen wir den Beitrag von Herrn Hempelmann als wenig hilfreich für den Fortgang der Dinge am Lingnerschloss und schon gar nicht als ermutigend für das Engagement neuer Sponsoren und Spender, und leider spielt Ihr Artikel auch denjenigen in die Hände, die von Anfang an gegen unsere Bürgerinitiative eingetreten sind.

Unser großartiges Projekt »Ein Schloss für alle« hat damit erneut großen Schaden genommen mit unabsehbaren Folgen für die Zukunft.

Der Vorstand

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