Leserbrief: V1 – die geht ab wie eine Rakete

Leserbrief von Markus Joos zum Verkehrskonzept Fernsehturm

V1 – die geht ab wie eine Rakete

Oder steht das V in der neu ersonnenen Shuttlebuslinie vom Schillerplatz zum Fernsehturm doch für Vendetta und die Stadt möchte sich mit Ihrem Mobilitätskonzept zum Fernsehturm an uns zänkischen Elbhangbewohnern rächen? Oder habe ich mich einfach nur verhört in der Einwohnerversammlung am 19.7.2020 im Kulturpalast als Dresdens Oberbürgermeister das Mobilitätskonzept für die Verkehrsanbindung an einen eventuell wiedereröffneten Fernsehturm vorstellen ließ und V1 steht einfach für „Variante 1“. Letzteres ist der Fall. Trotzdem wissen wir nicht was im Kopf der Planer des Mobilitätskonzeptes für einen eventuell wiedereröffneten Fernsehturm vorgegangen ist. Die Wiedereröffnung sei ja eine städtische Herzensangelegenheit, so kann man auf der Webseite der Stadt Dresden lesen. Aber wie so oft mit Herzensangelegenheiten, so kann man sich auch hier des Eindrucks nicht erwehren, dass es nun mal wieder an der Zeit ist Geist und Verstand zu reaktivieren und diesen aktiv mit in die Planungen einzubeziehen.

Neben der missglückten Namensfindung für die neue Buslinie, erscheint nämlich auch sonst das Mobilitätskonzept nicht sonderlich ausgegoren. Von Sowieso-Planfällen ist darin die Rede, ein SowiesoPlus und ein Innovations-Planfall werden ebenfalls skizziert.

Im Grunde läuft das ganze darauf hinaus ein paar marode Straßenzüge zu sanieren, die man wie im Fall der Staffelsteinstraße sowieso schon seit 18 Jahren instand setzten will, und hofft dann, dass zukünftige Fernsehturmbesucher mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Wachwitz anreisen. Angedacht ist, dass der überwiegende Teil der Besucher von Loschwitz aus kommend mit Bussen die Staffelsteinstraße bzw. die Wachwitzer Bergstraße zum Turm hochfahren sollen.

Jeder der die beiden Straßen kennt weiß, dass eine Busfahrt auf jenen zwar Abenteuer verspricht, aber sicher nicht geeignet ist noch weitere 250.000 Besucher zum Turm zu kutschieren. Darüber hinaus droht dem Blauen Wunder aufgrund des maroden Sanierungszustandes womöglich eh eine Sperrung für den Busverkehr. Die anderen Besucher sollen eine verlängerte Buslinie 87, die ebenfalls übers Blaue Wunder fahren soll, nordöstlich über Ullersdorfer Platz und Gönnsdorf nehmen.

Aber wie soll denn nun verhindert werden, dass Touristen Bus und Bahn einfach links liegen lassen und versuchen individuell mit ihrem SUV bis zum Fernsehturm vorzufahren? Nun, so kann man in eben jenem Mobilitätskonzept auf Seite 43 lesen, dass „der Verzicht auf öffentliche Parkplätze direkt am Turm und in der Umgebung zusätzlichen Pkw-Verkehr vermeidet“. Das erinnert mich doch sehr an das Vorgehen in einer schwäbischen Kleinstadt, in der, nachdem die Bürger dort aufgrund gestiegener Müllgebühren ihren Müll in öffentlichen Müllbehältern entsorgten, die Stadtobersten einfach beschlossen die Hälfe aller Müllbehälter zu entfernen.

Zusätzlich hat man für all diejenigen, die nicht wissen können, dass man für sie am Zielort keine Parkplätze errichtet hat, vorgesehen, diese mit Schildern unten an der Wachwitzer Bergstraße (Niederpoyritz, siehe Anmerkung 1) bzw. am Oberwachwitzer Weg (Anmerkung 2) fern zu halten. Nun, mit massenhafter Beschilderung kennen sich die Anwohner beider Straßen bestens aus, nur genützt hat es bislang wenig. Bliebe noch zu fragen bis wann wir denn mit top modernisierten Straßen inklusive Radwegen (!) zu rechnen haben, die Niederpoyritzer warten schließlcih schon seit 18 Jahre auf eine Straße bei der man nicht um Leib und Leben fürchten muß.

Nach Plan soll der Fernsehturm bis 2025 fertig saniert und für Besucher geöffnet werden. Der Mobilitätsplan sieht vor, dass der Sowieso Fall 5 – 10 Jahre dauern soll. Also gehen wir (siehe Staffelsteinstraße) mal eher von mindestens 10 Jahren aus. Der Innovations-Planfall spricht sogar von bis zu 40 (!) Jahren um innovative Verkehrskonzepte umzusetzen. Was in der Zwischenzeit mit der Blechlawine, die entweder über Bühlau und Gönnsdorf oder elbwärts über Loschwitz anrollt passiert, darüber schweigt sich das Mobilitätskonzept aus.

Aber was soll’s, wir als Elbhängler und Hochländer könnten uns doch eigentlich freuen, denn dank Mobilitätskonzept wissen wir jetzt, dass unabhängig vom Fernsehturm unsere Straßen ja sowieso für 40 Millionen Euro ertüchtigt werden sollen.

Markus Joos, Wachwitz


Anmerkung 1: Mit einer kleinen orthografischen Korrektur habe ich das mal so aus dem Mobilitätskonzept von Seite 27 übernommen. Man hätte ja auch mal die Anwohner fragen können in welchem Stadtteil die Wachwitzer Bergstraße liegt. 

Anmerkung 2: Vermutlich denkt man, dass ein „Anlieger frei“ Schild kurz hinter dem Kreisverkehr in Wachwitz / Pappritz die Besucher dazu bewegen wird nicht auf den Fernsehturmparkplatz oder den umliegenden Straßen zu parken, sondern statt dessen zurück zum Ullersdorfer Platz zu fahren um dann in den Shuttlebus einzusteigen.


PS: Inzwischen hat sich auch eine Bürgerinitiative gegründet, die sich mit der Causa Fernsehturm kritisch auseinandersetzt: www.ft-dd.de

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Fahrer mit Goliath-Dreirad bei der Auslieferung in der Blasewitzer Hochuferstraße, um 1930. Foto: Dr. Georg Jäkel

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