Buch Dresden 1951 – 2006

Loschwitzer Gedenkvesper für Kreuzkantor Rudolf Mauersberger †1971

Die Vesper in der Loschwitzer Kirche am 50. Todestag des einstmaligen Dresdner Kreuzkantors Rudolf Mauersberger am 22. Februar war in mehrfacher Hinsicht denkwürdig. Zum einen, weil Mauersberger nicht nur im heimatlichen Erzgebirge (das inzwischen als grenzüberschreitende Montanregion zum Weltkulturerbe zählt), sondern auch in Loschwitz am Elbhang zu Hause war, auch wenn er die wiedererstandene Loschwitzer Kirche nicht mehr wahrnehmen konnte.

Zum anderen erinnerte die Gedenkvesper mit einer Fülle wiederauftauchender (auch kulturpolitischer) Namen, insbesondere aus der Dresdner und sächsischen Region, an mitunter vergessene, aber bedeutsame, nicht immer glanzvolle Zeiten, die bis heute nachwirken – nicht nur im Bewusstsein der älteren Generation. Eindrucksvoll konnte das der Zeitzeuge und Laudator Professor Dr. Michael von Brück bezeugen, der noch als Kruzianer an Mauersbergers Sterbebett gestanden hatte, eines Mannes, der als »Jahrhundertcharakter« zugleich als ein »Mensch voller Widersprüche« und tiefer, schlichter (erzgebirgischer) Frömmigkeit im Gedächtnis bleibt. Unvergessen sei auch, dass Mauersberger zu den Kulturoffizieren der »Roten Armee« zeitweise ein besseres Verhältnis hatte als zu den seinerzeitigen selbsternannten »Vertretern der Arbeiterklasse«, die er mitunter als parteiergebene »Kulturbanausen« wahrnahm.

Prof. Mauersberger mit Sängerknaben. Rechts Peter Schreier.
Foto: Bildbiografie

Die Gedenkvesper offenbarte auch, dass die coronabedingten Einschränkungen unerwartete schöpferische Kräfte freisetzen und Impulse auslösen können, sei es durch die – auch digital begleitete – Wiedererweckung Mauersbergerscher Kompositionen und ihrer vielgestaltigen Interpretation (die Veranstaltung unterschied sich wohltuend und bemerkenswert von herkömmlichen Gelegenheiten), oder sei es die galante Übergabe der Blumen an die Mitwirkenden – diesmal dezent in der zum »Künstlerzimmer« mutierten Sakristei der Loschwitzer Kirche.


Die Gedenkvesper kann auch online bei AuditivVokal / YouTube nacherlebt werden.

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