Buch Dresden 1951 – 2006

Im Porträt: Mathias Müller, Geschäftsführer der Dürrröhrsdorfer Gustav Müller GmbH

»Feine Liköre zu kreieren ist meine Leidenschaft«

Ein altes Zunftzeichen mit dem großen »M« für Müller und einer stilisierten Mühle dient auch heute noch als Firmenlogo der Gustav Müller GmbH in Dürrröhrsdorf. Es stammt aus der Zeit um 1900, als die Geschichte der späteren Likörfabrik begann und Firmengründer Ernst Gustav Müller zunächst Essig herstellte. Heute führt sein Urenkel Mathias Müller die Geschäfte des Unternehmens, das seinen Sitz nach wie vor in dieser Gemeinde hat. Vor allem Kräuterliköre, Obstbrände und Gin werden hier produziert. Und der Name »Essig-Müller« hat sich bis heute gehalten.

Mathias Müller vor der Destillieranlage. Hier produziert er gerade hochprozentigen Gin – ein Spezialauftrag. »Da braucht man Zeit und Ruhe«, sagt er.
Foto: Katrin Richter

»Mein Urgroßvater war 42 Jahre, als er sich zur Jahrhundertwende selbstständig gemacht hat«, erzählt Mathias Müller. Der rührige Geschäftsmann habe damals auch Weine importiert, französisches Öl abgefüllt, Senf vertrieben und schließlich hochprozentige Getränke produziert und verkauft. 1925 übernahmen Sohn Erwin und Neffe Max das Familienunternehmen. »Schon drei Jahre später tauschten sie das Pferdefuhrwerk gegen den ersten Mercedes-Lkw ein«, berichtet Mathias Müller. 40 verschiedene Spirituosen verließen die Dürrröhrsdorfer Produktionsanlagen damals. Während des Zweiten Weltkriegs dann lief die Produktion auf Sparflamme weiter. Nach dem Tod von Großvater Erwin Müller 1957 übernahm Vater Horst das Unternehmen, baute es mühselig wieder auf und erweiterte es – u.a. um eine Abfüllanlage für Miniaturflaschen und eine Verschließmaschine. Absatzprobleme gab es damals nicht. Zu DDR-Zeiten bot »Essig-Müller« vor allem Spirituosen, Senf und eben Essig an.

Gustav Müller machte sich im Jahr 1900 selbstständig und stellte zunächst Essig her. Der Name »Essig-Müller« hat sich bis heute gehalten.
Foto: Archiv Müller

Für den heutigen Firmenchef war zeitig klar, dass er in die Fußstapfen seines Vaters treten würde. 1966 in Pirna geboren und in Dürrröhrsdorf großgeworden, hat er nach der 10. Klasse zunächst eine Lehre als Destillateur bei »Weinbrand Wilthen« gemacht. Und es war kurz nach dem Fall der Mauer, als Mathias Müller in die Firma einstieg – zunächst um seinen kranken Vater zu unterstützen. Mit der Wende taten sich für die Müllers plötzlich ganz neue Wege auf: Sie nahmen Kontakt zu ehemaligen Geschäftspartnern und Weingütern auf. »Im Frühjahr 1990 haben wir dann zum ersten Mal auf der Wallstraße Moselweine gleich vom Lkw herunter verkauft«, erinnert sich Mathias Müller. An einem Wochenende hätten mehr als 20.000 Flaschen den Besitzer gewechselt.

Mathias und Thomas Müller verkauften im Frühjahr 1990 auf der Dresdner Wallstraße Moselweine gleich vom Lkw herunter – mehr als 20.000 Flaschen an einem Wochenende.
Foto: Archiv Müller

Nach dem frühen Tod des Vaters 1992 übernahm Mathias Müller gemeinsam mit seinem Bruder Thomas die Geschäfte. Die beiden modernisierten die Produktion nach und nach, errichteten eine neue Abfülllinie und sanierten das Haupthaus komplett. Der Kunden- stamm wuchs rasch auf einige hundert gastronomische Einrichtungen an. 2005 starb Thomas mit nur 45 Jahren. Seitdem trägt sein Bruder allein die Verantwortung und baute das Geschäft weiter aus. Er kaufte u. a. 2010 ein 6000 Quadratmeter großes Grundstück mit zusätzlichen Lagerhallen und einige Jahre später eine neue Brennanlage.
Heute hat die Gustav Müller Gmbh zwei Standbeine: Da ist zum einen die Likör-Fabrik in Dürrröhrsdorf. Hier werden verschiedene Spirituosen hergestellt, darunter der Coffee-Kräuter »Müller Drei«, der Kräuter-Klassiker »Wesenitz-Bitter«, der Obstbrand »Moritz« und »Müller Dry Gin«, ein neuer Gin. Demnächst kommt ein Eierlikör »Müller Drei mit Ei« auf den Markt. Die Liköre verkaufen sich sachsenweit, der »Müller Drei« sogar deutschlandweit – in Gaststätten, in Bars und im Einzelhandel. Die andere Säule der Gustav Müller GmbH ist eine Handelsfirma, die die Gastronomie, die Hotellerie und den Fachhandel im Umkreis von 70 Kilometern bis nach Görlitz, Zittau, Dresden und in die Sächsische Schweiz mit insgesamt 1.200 verschiedenen Weinen und Spirituosen beliefert. Es gibt eine kleine Weinhandlung an der Bautzner Straße in Dresden und den Fabrikverkauf in Dürrröhrsdorf. 4,5 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet die Gustav Müller GmbH im Jahr. 17 Mitarbeiter sind im Unternehmen beschäftigt.
Wie entgeht man der ständigen Versuchung, Alkohol zu trinken? »Ganz einfach«, meint der Chef mit einem Schmunzeln, »ich versuche von montags bis donnerstags möglichst keinen Alkohol zu trinken und mich mindestens drei Tage die Woche dran zu halten«. Am liebsten trinkt Mathias Müller Wein. »Ich mag gute Weißweine und auch Rotweine – sehr gern die Franzosen«, verrät er.
»Feine Liköre zu kreieren, ist meine Leidenschaft«, schwärmt Mathias Müller. Der Weg von der ersten Idee bis zur Flasche sei lang und könne schon mal zwei Jahre dauern. »Wir lassen uns da immer Zeit, machen deshalb kaum Fehler und landen gute Treffer«, beschreibt der Chef sein Konzept. Jedes Jahr kämen so viele neue Spirituosen auf den Markt, 90 Prozent davon würden wieder verschwinden. Dass sich die Firma über die Jahre so gut gehalten hat, erklärt der Geschäftsmann so: »Wir decken die ganze Bandbreite ab, sind Hersteller, Großhändler, Einzelhändler und Direktvermarkter zugleich.« Wenn das eine nicht so gut laufe, sei das andere immer noch da. »Wir sind von Corona ganz schön erwischt worden«, sagt Mathias Müller. Die Handelsfirma habe Umsatzrückgänge von 80, 90 Prozent hinnehmen müssen. »Die Likörfabrik aber hat die Flaute sehr gut überstanden, wir haben über 20 Prozent mehr Spirituosen hergestellt«, erklärt er.

Der Coffee-Kräuter »Müller Drei« ist deutschlandweit beliebt.
Foto: Archiv Müller

In den vergangenen Monaten sei das Geschäft wieder recht gut angelaufen. Er hofft natürlich, dass die Weihnachtsmärkte wieder stattfinden – insbesondere der beschauliche Loschwitzer Markt. Der Unternehmens-Chef ist auch langjähriger Elbhangfest-Freund und -Förderer. »Man trifft sich mit Freunden, hört Musik, trinkt Wein, es ist ein wunderbares Miteinander«, findet er.
Mathias Müller wohnt seit 30 Jahren in Blasewitz, ist verheiratet und hat drei Kinder. Einer seiner beiden Söhne absolviert gerade eine Lehre als Winzer. »Er will natürlich noch seinen Destillateur machen und eine kaufmännische Ausbildung, um später ins Geschäft einzusteigen«, verrät der Vater. Damit würde der Familienbetrieb in fünfter Generation fortgeführt. Und der Beiname »Essig-Müller« auch.

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