Liebe im Leben und in der Kunst – Nur die Liebe zählt

Zum Tode der Loschwitzer Textilkünstlerin Gertraude Seidel

Vernissage zum 85. Geburtstag von Gertraude Seidel (li.) in der Galerie am Damm, 2009 Foto: Peter Eisermann

Vernissage zum 85. Geburtstag von Gertraude Seidel (li.) in der Galerie am Damm, 2009
Foto: Peter Eisermann

Wenn Gertaude Seidel an ihrer Arbeit saß, und das dauerte trotz ihres hohen Alters bis in die späten Abendstunden, so experimentierte sie immer noch begeistert mit ihrem Material – dem Textil, vor allem mit Leinen, Jute und farbiger Wolle – und fand dabei stets neue und originelle Möglichkeiten ihrer Verarbeitung. Die Ideen gingen ihr nie aus.

Nun ist die bekannte Dresdner Textilkünstlerin am 3. August im Alter von 87 Jahren plötzlich gestorben. Die große Familie, viele Freunde und Bekannte und auch das Galeristenehepaar Eisermann (Galerie am Damm) trauern um eine Persönlichkeit, die die Dresdner Textilkunst über ihre Grenzen hinaus bekannt und mit ihren zahlreichen Ausstellungen auch im Ausland auf sich aufmerksam gemacht hat. Auch als Mutter, Großmutter und Urgroßmutter war sie eine wichtige Stütze der großen Familie. Ein Leben ohne künstlerische Arbeit schien ihr undenkbar. Und ihr Ehemann, der Maler Jürgen Seidel, mit dem sie 59 Jahre verheiratet war, anfangs ihr Mentor und Wegbereiter, gehörte zu diesem erfüllten, beglückenden Leben, das von gegenseitiger Inspiration und Achtung, aber auch von Distanz in Kunstdingen geprägt war. Beider Laufbahnnen waren eng miteinander verflochten, z. B. dann, wenn sie bei der Anfertigung von Paramenten für die Gorbitzer und Loschwitzer (und andere) Kirchgemeinden gemeinsam arbeiten durften.

Von klein auf interessierte sich Gertraude Seidel für Handarbeiten. Als Schülerin der damaligen katholischen Privatschule des „Josephinenstiftes“ erhielt sie (u. a. gleichzeitig mit Anneliese Kühl †) Webunterricht. Die gelernte Exportkauffrau überlebte den Krieg als Ausgebombte und arbeitete zur Stunde Null als Trümmerfrau. Zwei Jahre kunstgewerbliche Ausbildung. und ein Semester Keramik legten den Grund für ihre künstlerische Arbeit. Die Textilkunst in Frankreich und das Textilkunstschaffen im benachbarten Polen beeindruckten sie stark. Schließlich fand sie den Weg zu den jährlich stattfindenden internationalen Symposien im polnischen Kowary (zuerst 1983), die sie bis in jüngste Zeit besuchte. Ausstellungen in der Galerie Nord, in der Galerie Kunst der Zeit, später beim Kirchlichen Kunstdienst sowie durch die sie vertretende Galerie am Damm und die Kreative Werkstatt Dresden e.V. in Pieschen folgten.

Arbeitete sie zunächst an kleinformatigen Applikationen und am Gobelin, so fand sie schließlich in jüngster Zeit zu ihren eigenwilligen Wollwickelobjekten, teils in einzigartiger Farbigkeit und in nach der Natur empfundener Verarbeitung. Ihr beachtlicher Beitrag zur Textilkunst wird in wacher Erinnerung bleiben, wie auch ihr Versuch, sie gleichberechtigt neben andere Medien der bildenden Kunst zu stellen.

Heinz Weißflog

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Fahrer mit Goliath-Dreirad bei der Auslieferung in der Blasewitzer Hochuferstraße, um 1930. Foto: Dr. Georg Jäkel

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