Buch Dresden 1951 – 2006

Stellungnahme des Ortsverein Pillnitz e.V.

Schlosspark Pillnitz ist seit „Königs Zeiten“ ohne Eintritt für alle da – und sollte es bleiben

Der Besuch des Schloss­parks in Pillnitz soll nun nach fast zehnjähriger immer wieder angekündigter Absicht und widersprüchlicher Argumentation Eintritt kos­ten. Der Ortsverein Pillnitz e. V. und mit ihm eine Vielzahl von Bürgern, die Gewerbetreibenden von Pillnitz, Bürger und Bürgervereine aus Dresden und Umgebung können diese Entscheidung der „Staatlichen Schlösser und Gärten“ nicht nachvollziehen. Die Pläne, die Nutzbarkeit des Pillnitzer Schlossparks durch Eintrittsgelder stark einzuschränken, erschrecken uns.

Der Ortsverein Pillnitz e.V. hat die wichtigsten deutschen „Schlösser und Gärten“ angeschrieben. Das Ergebnis der Analyse zeigt, dass die meisten Gärten für den Bürger frei betretbar sind. Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, die Bayerische Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen und viele andere teilten uns mit, dass für den Besuch der Garten- und Parkanlagen kein Eintritt erhoben wird. Gärten wie „Planten und Blomen“ in Hamburg, Schönbrunn bei Wien, Gärten in Paris, Oslo, Prag, Warschau… Tokio sind für die Bürger ohne Eintrittsgeld betretbar.

Die städtebauliche Struktur des Ortsteiles Pillnitz ist so gewachsen, dass der Park, vor allem mit den hangseitigen Erweiterungen Ende des 18. Jarhunderts und seinen Wegebeziehungen Teil des Ortskernes Pillnitz ist. Das heißt, der tägliche Weg einer Anzahl  Pillnitzer Bürger und Bürger der Nachbargemeinden führte immer durch den Park. Auch heute noch wählen viele, vor allem Ältere diese Wege zum Einkauf, da der Umweg über den Berg zu anstrengend ist.

Der Spaziergang in Pillnitz mit Familie, Kindern und Gästen ist bei vielen Dresdnern Tradition. Das kostenfreie Erleben von Landschaft, Gartenkunst und Architektur, von Natur und Kunst in unserem Teil des „Welterbes“, das Sehen und Gesehenwerden ist seit „Königs Zeiten“ Teil der Naherholung und Entspannung, für die „Reichen“ und die „Ärmeren“, für die Alten und die Kinder.

Die Gastronomen und Gewerbetreibenden befürchten mit dem Eintritt nicht nur eine Verringerung der Gästezahl, sondern mit der Schließung der Tore direkt vor ihrer Gaststätte („Einkehr am Palmenhaus“, „Parkcafe“) erhebliche Umsatzeinbußen. Entgegen der jetzt geplanten Schließung forderte der Ortsverein die zusätzliche Öffnung des vorhandenen Tores gegenüber der Lohmener Straße 1, direkt gegenüber des  Platzes „Am Rathaus“ mit seinen Gaststätten, der Sparkasse und den anderen Gewerbetreibenden. Der öffentliche Nahverkehr hat vor einiger Zeit mit der Verlängerung der Buslinie 83 Haltestellen an diesen – nun geschlossenen – Toren  eingerichtet.

Der berechtigte Wunsch der Schlösserverwaltung, über Eintrittsgelder den Haushalt und den Steuerzahler zu entlasten, sollte wie bisher mit Eintrittsgeldern zur Besichtigung der Museen, Gebäude oder Pflanzhäuser bzw. Sonderausstellungen realisiert werden. Nur müssen diese dann auch so attraktiv sein, dass jeder Zugang wünscht. Da der Ortsverein zur Geschichte von Pillnitz und zur Geschichte der Gärten und der Schlossanlage sammelt und forscht, kann er inhaltlich hier seinen kleinen Beitrag leisten.

Denen, die sich wundern, dass man für die Besichtigung des Parks nichts zahlen muss, gibt man die Gelegenheit dazu und sollte es auch weiterhin tun. Über Parkflächen für Busse und PKW  für Touristen, Reisegruppen und Veranstalter können Wege zu Einnahmen gefunden werden. Parkplätze sind ohnehin dringend notwendig und müssen mit allem Nachdruck realisiert werden.

Dr. Volkrad Drechsler,
Vorsitzender des Ortsvereins

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