Buch Dresden 1951 – 2006

Zum Leserbrief »Bitte etwas mehr Bürgersinn – für alle«

Zum Leserbrief von Friedemann Buschbeck in der Ausgabe 6/21 (»Bitte etwas mehr Bürgersinn – für alle«).
Leider ist Ihr Beitrag geprägt von Unkenntnis der örtlichen Situation und den berechtigten Anliegen der Anwohner. Gewürzt mit einem gehörigen Schuss Populismus (»Einfluss auf die Speisekarte«, »…ein so schönes Projekt…«) wird so ein völlig falsches Bild vom Anliegen der BI Fernsehturm erzeugt.

Ihr Vergleich mit fiktiven selbstsüchtigen Besitzern von Wassergrundstücken trägt sogar Züge der Diffamierung der Anwohner des Elbhanges. Als Selbiger finde ich es traurig, derartiges im Elbhang-Kurier lesen zu müssen.
Doch zurück zu den Tatsachen. Tatsache ist nun einmal, dass der Fernsehturm an einer verkehrstechnisch nur sehr schwer zu erschließenden Lokation erbaut wurde. Damit unterscheidet er sich grundlegend von anderen Fernsehtürmen der Republik. Mehrere Gutachten, teils von der Stadt beauftragt und öffentlich vorgestellt, kommen zu dem Schluss, dass aus diesem Grund umfangreiche, sehr aufwändige und langwierige Maßnahmen notwendig sind, um den für einen wirtschaftlichen Betrieb des Fernsehturmes notwendigen Besucherstrom zu bewältigen. Die dafür notwendigen Investitionen von >45 Millionen Euro sind in den (von Ihnen erwähnten) Fördermitteln von Bund und Land nicht enthalten und aus dem städtischen Haushalt zu tragen. Da dieser jedoch angespannt ist, und aufgrund der allgemein bekannten Situation in den nächsten Jahren auch wohl sein wird, sowie im zeitlichen Rahmen auch gar nicht realisierbar sind, wurden diese Verkehrs-Maßnahmen im neuen »Mobilitäts- und Verkehrskonzept« einfach zusammengestrichen. Was übrig bleibt, hat mit den in vielen Studien beschriebenen Maßnahmen nichts mehr zu tun, sondern würde bei Umsetzung eine Gefahr für Leib und Leben von Fußgängern und Radfahrern (insbesondere Kinder und ältere Leute, und nicht nur in Wachwitz, sondern auch in Pappritz, Gönnsdorf, Oberbühlau) sowie desaströse Folgen für Flora und Fauna des Elbhanges bedeuten. Stichworte hier: Rückbau des Fußweges, Busverkehr im Minutentakt durch enge Anwohnerstraßen (dann ohne Bürgersteig), Parkplätze und Buswendestellen anstelle von Vegetation. Die Liste ließe sich fortsetzen, und interessierte Bürger sind eingeladen, sich darüber zu informieren. Grundanliegen der BI Fernsehturm ist es in diesem Zusammenhang, darauf hinzuweisen, dass unter diesen Umständen ein dauerhafter, wirtschaftlich sinnvoller Betrieb des Fernsehturmes kaum möglich ist. Die Frage bleibt dann: Subvention des Weiterbetriebes aus Steuermitteln oder Schließung – nachdem dann -zig Millionen Euro unseres Steuergeldes bereits ausgegeben wurden? Gäbe es da nicht andere kommunale Projekte mit höherem Nutzen für uns Dresdner, als Eierschecke auf dem Fernsehturm (Stichworte: Kitas, Schulen, marode Straßen, Blaues Wunder, Zoo, Schwimmbäder/ Sachsenbad….)? Daher hiermit noch einmal die Einladung an alle, die den Fernsehturm für ein »so schönes Projekt« halten: Bitte informieren Sie sich, der Teufel steckt hier wie immer im Detail, nicht in der Böswilligkeit der Anwohner!

Jan Weigel

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