Farbe, Material und Strukturen oder: Feinster Haarpinsel trifft Drahtbürste

Neue Bilder von Eberhard Göschel im Leonhardi-Museum anlässlich seines 70. Geburtstages

Eberhard Göschel Foto: Leonhardi-Museum

Eberhard Göschel
Foto: Leonhardi-Museum

Maler und Museum verbindet durchaus eine lange,  Streckenweise intensive künstlerische Liaison. Werk und Arbeitsbiografie des Malers Eberhard Gösche (Jg. 1943, Bubenreuth) sind eng mit dem malerisch gelegenen Leonhardi-Museum auf der Grundstraße in Dresden verbunden. Vielleicht war es nicht unbedingt Liebe auf den ersten Blick. Aber immerhin hat seine erste, vielversprechende Einzelschau in diesem Museum 1975, sechs Jahre nach seinem Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden (1964-69), trotz Hindernisse erfolgreich stattgefunden.

Das Leonhardi-Museum  hatte sich  schon „im Osten“ über die Region hinaus einen kritischen Ruf erworben. Das Konzept des Hauses wurde durch den Maler Eberhard Göschel und seinem Freundeskreis in den 70ger Jahren wesentlich mitgeprägt. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Museumsbesucher an das Ölgemälde „meine Freunde?“ Der Maler Peter Hermann hat auf diesem Bild den Kreis um Strawalde (Jürgen Böttcher), A. R. Penck (Ralf Winkler), Peter Graf und Eberhard Göschel festgehalten.

Es war damals eine durchaus anregende Atmosphäre , von  der buchstäblich auch Kunststudenten verschiedener Richtungen profitierten. 1981 zeigte der heute 70jährige Göschel erneut „aktuelle Arbeiten“. Die Biografien der „Freunde“ auf  dem Bild von Peter Herrmann geschaffen, verliefen dennoch in sehr unterschiedliche Richtungen. Gemeinsames: Malerei ist als Überlebensstrategie und Lust geblieben. Hier und jetzt,  hat Eberhard Göschel für seine Bilder und für einen Zeitraum von einigen Monaten, die gesamte Ausstellungsfläche des Museums zur Verfügung. Die Arbeiten vom Namenspatron Leonhardi schlummern zwischenzeitlich im Depot. Die Gemälde dieser Ausstellung sind allesamt neue Arbeiten, die in den letzten Jahren geschaffen worden sind. In der 2012 entstandenen Arbeit mit dem Titel „Mondlicht“ gräbt der Künstler tiefe Spuren in pastose Farbschichten. Vielleicht holt der Maler Göschel ein Stück geteilten Himmel auf die Leinwand?

„Nest“ von Eberhard Göschel Foto: Leonhardi-Museum

„Nest“ von Eberhard Göschel
Foto: Leonhardi-Museum

Die Bilder faszinieren im Raum durch ihren sinnlich-stofflichen  Farbauftrag. Einigen Ölbilder wirken mit Abstand betrachtet, wie Keramiken. Göschel nutzt Farbe als Material in vielen Facetten. Farbe, die sich nach allen Richtungen bearbeiten lässt. Farbe als klingendes, reliefartiges, sensibles Instrument. „Es gibt kein Spektrum in Göschels Farbenlehre, es gibt nur eine schmale, vielfach gebrochene Skala zwischen Dunckelocker, verschwindenden Blaus, vibrierendem Weiß hin zu einer reichen Tonalität der Unfarbe Schwarz“, so Kunstwissenschaftler Matthias Flügge.

Die Komposition mit dem Titel: „Nest“ verweist auf die starke Beziehung des Malers und seine Naturerfahrungen.Wie ein Nest einerseits behütet und Geborgenheit vermittelt, so ist das Ölbild andererseits als Malerei strukturell interessant. Wie ein Insekt seinen Faden spinnt, aus dem eigenen Leib heraus windet, Netze baut, so sind Strukturen, Farbklänge, Zeichen aus der Natur anregend für den Künstler. Der Betrachter findet im Idealfall die eigenen Erfahrungen und die des Künstlers, z.B. im Ölgemälde „Ostraer Scheibe“ als Metapher in der Summierung wieder. In den Ölbildern mit den Titeln: „im Sperrgebiet“ (2012) oder „Entdeckungen“ (2011) verhalten sich Einzelformen, Farbe, Linien, Flächen zum Bildganzen. Sie sind vielleicht mit niedergeschriebenen Gebärden, z.B. in Tontafeln, vergleichbar. „Die Zeichengebärde hat natürlich etwas zu tun mit Sprachgebärde, mit Musik und Tanz. Man kann alles mehr oder weniger kontrolliert biegen.“ (Strawalde)

Empfehlenswert der kleine Text im Katalog (2013) von  Eberhard Göschel selbst. Wer einen zusätzlichen Blick über den Tellerand riskieren möchte, im Dresdner Stadtmuseum läuft ein Filmporträt im Doku-Stil über den Maler Eberhard Göschel.

„Die Abfolge der Bilder gleicht einer Weltreise.“

Wohin wird die Reise gehen?

Die Ausstellung ist sehen bis 21. Juni 2013 im Leonhardi-Museum zu sehen: www.leonhardi-museum.de

Angelika Guetter

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